Kooperationen
Über uns Newsletter

Der beste Rat,
den ich je bekam

Wer ein Kind erwartet, wird mit unerbetenen Tipps überhäuft. Die besten Ratschläge, die wir erhielten, betreffen fast alle das Thema Schlaf.
29 Dez 2017
Bild — Ivo Saglietti*

Mit gefrorenen Fingern und auf Schlittschuhen scrollt und tippt es sich so schlecht! Kleinstadt macht deshalb ein paar Tage Winterpause. In dieser Zeit publizieren wir hier einige bereits erschienene Texte zum Nachlesen. Bald sind wir wieder mit neuen Artikeln für euch da. Folgt uns auf Facebook und Instagram, um keinen zu verpassen.

Kaum ist die Schwangerschaft bekannt, überschlagen sich all die lieben Freunde und Verwandten fast und überschütten die zukünftigen Eltern mit einer Unmenge von guten Tipps: Du musst das einfach so machen! Bei uns hat jenes super geklappt, probiers unbedingt! Das ist ja auch wirklich nett gemeint. Aber längst nicht alles, was für die einen stimmt, passt auch für die anderen, und so müssen alle ihren eigenen Weg finden. In der Flut von (häufig unerbetenen) Ratschlägen findet sich allerdings hie und da tatsächlich ein Glückstreffer. Diese zehn Tipps haben sich für uns bewährt.

«Ihr braucht wirklich eigentlich noch nichts. Ausser einem guten Tragetuch.»

Ja, klar, dachte ich mir, hochschwanger und unschlüssig, welches Kinderwagen-Modell das schickste sei. Das Bébéli hat vom Wagen dann nicht viel gehalten und im Tragi gelebt, und ich musste meiner Schwägerin recht gegeben. Mindestens mit der Evaluation des Kinderwagens kann man sich  Zeit lassen. – Bruna

«Ihr braucht ein Dondolo!»

Als ich Ende meiner Schwangerschaft von meinem Schwager eine Art Baby-Hängematte in die Hand gedrückt bekam, konnte ich es nicht lassen, innerlich ein bisschen die Augen zu verdrehen. Was brauchten junge Eltern denn noch alles an Gadgets und Schnickschnack? Doch kaum hatte der kleine Zwerg gelernt, während Abendkrisen seine Stimme wirksam einzusetzen, lernte ich das Wunderwackelding zu schätzen. Wenn alle Stricke rissen, hing das Dondolo immer noch sicher im Wohnzimmer-Türrahmen. Und verfehlte nie seine Wirkung. – Elisa

«Schlaft, wenn das Baby schläft.»

Wer mir diese Elternweisheit vor etwas mehr als fünf Jahren verraten hat, weiss ich leider nicht mehr. Dankbar bin ich besagter Peson aber bis heute. Nachdem ich in den ersten drei Wochen meist dieses und jenes erledigte, während unsere Tochter schlief, entsann ich mich bald obiger Worte und alles wurde besser. Sobald sie eingeschlafen war, legte ich mich dazu. Wen kümmern Geschirr- und Waschberge, wenn die Nächte kurz und gestückelt sind. Eine Angewohnheit, die ich beibehielt, solange das Meitschi Mittagsschlaf zu machen pflegte. Auch wenn der Rat ab dem zweiten Kind ungleich schwieriger umzusetzen ist: Ich gebe ihn nach wie vor an jede Neu-Mutter weiter. – Karin

«Was zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens gesagt wird, gilt nicht.»

Ein befreundetes Paar, das auch mit drei Kindern noch eine bewundernswert herzliche Beziehung führt, erwähnte mal diesen Grundsatz. Egal, wie giftig gewisse Bemerkungen nachts gezischt werden – es zählt nicht. Man ist übermüdet, gereizt, am Ende mit den Nerven, nicht das eigene selbst. Wer daraus am nächsten Tag eine Grundsatzdebatte anzettelt, macht sich das Liebesleben umsonst schwer. – Sarah

«Versucht gar nicht erst, euch nachts abzuwechseln.»

Die Vorahnung, dass ich nachts beim leisesten Bébépieps aufwachen werde, während der Mann auch den Weltuntergang verschlafen würde, erfüllte mich schon während der Schwangerschaft mit Grauen – und mit dem Zorn der Gerechten. Bis eine Freundin mir bestätigte, dass genau dies eintreffen wird, mir aber gleichzeitig einen goldigen Tipp mitlieferte: Statt Buch zu führen und den Tiefschläfer jedes zweite Mal entnervt wachzurütteln, solle ich die Nächte einfach übernehmen, basta. Und dafür immer morgens liegenbleiben, wenn der Mann in die Hosen steigt. – Catherine

«In der Nacht wird nicht erzogen!»

Als ich übermotiviert versuchte, den letzten nächtlichen Schoppen auszuschleichen, meinte meine pragmatische Freundin Lea: «In der Nacht wird nicht erzogen.» Egal ob man gerade den Nuggi abgewöhnen will oder das Kind um zwei Uhr morgens fordert, dass man sich zu ihm ins Bett legt. Egal ob es mit seinen Patschfüsschen ins grosse Bett der Eltern rüberwandert. Egal ob es den Schlafsack aus- oder die Musikdose aufgezogen haben will … In der Nacht diskutiere ich nicht und sage mir: «Hey, whatever works!» Und so schlafen wir meistens alle drei recht schnell wieder ein und leben ausserdem relativ stressfrei. – Elisa

«In der Nacht von Anfang an nur flüstern mit dem Baby, nicht spielen, kein helles Licht.»

Bei Shakespeare – und manchem Kleinkind – heisst es: «Nacht ist der Tag». Nicht bei uns: Ich bin fest überzeugt, dass der gute Rat meiner Tante uns bis heute davor bewahrt hat, um 3 Uhr morgens plötzlich legölen oder Spaghetti kochen zu müssen. Weil von Anfang an die Nacht nie zum Tag wurde. Aber es ist wie bei allem, das in der Kindererziehung gut klappt: Vielleicht hatten wir auch nur Glück. – Sarah (Nachträgliche Anmerkung nach 11 Monaten mit Kind 2: Wir hatten nur Glück. Kind 1 war und ist einfach ein Superschläfer.)

 «Du brauchst sofort eine Eisen-Infusion.»

Wenn der Hämoglobinwert so tief ist, dass die totale Erschöpfung kombiniert mit Kopf-und Muskelschmerzen das Wochenbett (oder die Schwangerschaft) belasten, hilft auch chinesische Hühnerbrühe nichts mehr. Erst meiner ambulanten Hebamme habe ich eine rasche Besserung zu verdanken. Denn noch im Spital waren tausend andere Dinge scheinbar wichtiger als mein Blutwert … – Rea

 «Mobilisiere dein Urvertrauen.»

Mich hat jetzt einfach mal interessiert, welchen Ratschlag denn mein Freund so bekam und als hilfreich empfand. Also hab ich ihn gefragt. O-Ton: «Als du das erste Mal im Ausgang warst und ich alleine mit dem Bébé, hat mir meine Schwester diesen Ratschlag gegeben.» Die weibliche Intuition für Männer heisst also Urvertrauen. Und ja, es lohnt sich, wenn auch Männer den Zugang dazu suchen und finden. – Rea

«Kauf dir eine zweite Agenda. Schreib alles auf.»

Diesen Moment werde ich nie, nie, nie vergessen! – Denkt man bei jedem Fürzli. Und dann kommt der nächste Wahnsinnsmoment, der nächste Meilenstein, der nächste Entwicklungssprung. Und schon ist der vorangehende ein bisschen nebulös. Wann war jetzt das erste Lächeln noch einmal? Was war noch einmal dieses lustige Wort, das er immer sagte? Alles vergessen. Stilldemenz nur Vorname. Deshalb: Tagebuch schreiben, oder – da die Zeit ja ohnehin immer knapp ist – zumindest stichwortartig in einer Agenda das wichtigste festhalten. Hat mich meine Schwester gelehrt. Merci. – Sarah

Seid ihr mit den Tipps einverstanden? Welcher ist der beste Rat, den ihr bekommen habt? Schreibt es uns hier beim Originalartikel als Kommentar!

*Bild aus: Bruno Munari, «Il dizionario dei gesti italiani», Adnkronos Libri, Bergamo 1994

Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.