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«Es fällt uns schwer, zu Lieblingsstücken nein zu sagen»

Die Gründerinnen von Petite Puce in Bern sind nicht nur bei Secondhandmode wählerisch: Kinderkleidung soll gut aussehen und bequem sein.
10 Aug 2018
Bilder — Ulrike Meutzner

Mit Sonnencreme und Glace an den Fingern scrollt und tippt es sich so schlecht! Kleinstadt geht deshalb in den Sommermodus – weniger neue Beiträge, dafür hin und wieder eine Reprise zum Wiederlesen. Hier das Interview mit den Gründerinnen unseres Lieblings-Secondhandshops Petite Puce vom April 2017.

Als Sommergeschenk für euch offerieren Viviane und Franciska am 10. und 11. August 2018 allen, die im Laden diese Seite auf ihrem Handy vorweisen, 20 Prozent Rabatt auf Bambus-Geschirr!

Vor drei Jahren, als ihre zweiten Kinder jährig waren, haben Franciska Baumann und Vivane Lang ihren Secondhand-Kinderkleiderladen in der Berner Altstadt eröffnet. Petite Puce ist heute für viele Bernerinnen und Berner die erste Adresse für auserlesene Kinderkleidung aus zweiter Hand. Seit einem Jahr ergänzen neue Kollektionen ausgewählter Brands das Angebot. Im Interview erzählen Franciska und Vivane, wie alles begonnen hat und warum es sich tatsächlich lohnt, beruflich seiner Leidenschaft zu folgen. Übrigens: Wer in den nächsten 10 Tagen bei den beiden vorbei geht, profitiert von 10 Franken Rabatt auf neue Schuhe!

Was für ein Zeitpunkt, um ein Geschäft zu eröffnen – eure zweiten Kinder waren Säuglinge, als ihr euer Projekt in Angriff genommen habt. Wie ging das?
Franciska:
Wir hatten absolut kein Geld für Investitionen. Aber viel Leidenschaft – ich habe vor der Mutterschaft als Einkäuferin in der Textilbranche gearbeitet, ein eigener Laden war immer ein Traum. Und als Viviane mit der Idee auf mich zukam, war ich sofort dabei. Secondhand nimmt man in Kommission, damit konnten wir anfangen. Und der Raum war grosses Glück.
Viviane: Der Standort hat alles verändert. Dadurch, dass wir diesen Raum bekommen haben, hat unser Projekt Formen angenommen, die wir uns nie erträumt hätten.
Franciska: Manchmal glauben wir es noch jetzt nicht. Vor allem der Saisonwechsel läuft sehr gut, und wir arbeiten beide viel. Wir wollen aber auch unsere Kinder nicht verpassen.
Viviane: Darum wachsen wir organisch und langsam. Wir werden auch weiterhin für unsere Ferien den Laden schliessen. Glücklicherweise musste der Laden bisher noch nie geschlossen bleiben, weil die Kinderbetreuung nicht geklappt hätte.

«Wir lieben das Unisex-Konzept. Trotzdem haben wir neulich rosa Röckchen ins Sortiment aufgenommen.»

Seit einem Jahr führt ihr auch Neuware. Ist Secondhand doch zu wenig rentabel?
Viviane:
Die Neuware kam dazu, weil wir unser Angebot kontrolliert erweitern wollten. Als Kundin suchst du zum Beispiel einen Body und eine Hose, findest im Secondhand aber nur eins von beidem passend. Bei uns kannst du das andere neu kaufen, beides zusammen ist dann immer noch verhältnismässig günstig. Seit Kurzem führen wir auch neue Schuhe, da war der Bedarf an einer guten Auswahl besonders gross.
Franciska: Im Einkauf ist Secondhand Willkür, da muss man nehmen, was kommt. Mit der Neuware können wir stärker Einfluss nehmen auf unser Angebot. Das gilt besonders für geschlechterspezifische Kleidung: Für Mädchen gibt es meistens eine grössere Auswahl. Wir wollen aber auch den Buben viel bieten, wir lieben das Unisex-Konzept und legen darauf grossen Wert, unsere Regale sind nicht nach Geschlecht getrennt. Trotzdem haben wir neulich rosa Röckli ins Neuwaren-Sortiment aufgenommen – die Kundschaft liebt geschlechterspezifische Kleidung, besonders für Mädchen und als Geschenk.
Viviane: Natürlich, Secondhand gibt viel mehr zu tun als Neuware, und der Ertrag ist verhältnismässig kleiner. Dafür hat man damit wöchentlich ein neues Sortiment. Das ist unser Kapital, dadurch kommen die Leute regelmässig vorbei. Die Mischung macht es bei uns aus. Und ja, von Secondhand-Ware könnten wir nicht leben. Seit wir Neuware führen, sieht es finanziell besser aus.

«Die Burberry-Hemdchen und Versace-Kleidchen haben wir gespendet. Nur ein Matrosenröckchen von Jean-Paul Gaultier ging über den Ladentisch.»

Ihr nehmt aber ja keineswegs alles, was euch gebraucht angeboten wird. Was sind die absoluten No-Gos?
Franciska: Anfangs haben wir Kleidung noch zuhause gewaschen und ausgebessert. Mittlerweile haben wir 360 Anbieterinnen und Anbieter und können die verwaschenen Bodys aus dem Migros-Multipack getrost ablehnen. Dennoch fällt es uns oft schwer, nein zu sagen, besonders zu Lieblingsstücken, die sich bei ihren Besitzern zwar sehr bewährt haben, deren Zeit aber einfach vorbei ist.
Viviane: Vom Waschen Vergrautes geht gar nicht. Lange nicht Gewaschenes. Flecken und Löcher. Und dann die ungetragenen Geburtsgeschenke. Finkli, die abfallen. Die ganz teuren Brands kaufen Bernerinnen und Berner übrigens auch nicht. Wir hatten Versace-Kleidchen und Burberry-Hemdchen aus zweiter Hand im Angebot, die haben wir irgendwann gespendet. Nur das Matrosenröckchen von Jean-Paul Gaultier ging über den Ladentisch.

Euer persönlicher Stil prägt euren Laden und die Auswahl, die sich darin findet. Was ist denn nun schöne und gute Kinderkleidung?
Franciska: Unser Stil ist nicht jedermanns Stil, dessen sind wir uns bewusst und nehmen deshalb bewusst auch Stücke an, die wir unseren Kindern nicht kaufen würden.
Viviane: Und trotzdem ist das, was uns beiden am besten gefällt, auch das, was sich am besten verkauft. Ich persönlich bin ein Fan von Jumpsuits. Kinderkleidung soll gut aussehen und bequem sein. Unisex ist toll. Kuschelige Sachen, in denen sich die Kinder völlig frei bewegen können, die aber gleichzeitig eine «Schnurre» machen.
Franciska: Ich mag es, meinen Kindern einen Grundstein an Sachen bereit zu legen, die mir gefallen und sie dabei zu beobachten, wie sie die Stücke selber kombinieren und damit ihren eigenen Stil entwickeln.

Wie lasst ihr euch bei eurer persönlichen Kleiderwahl inspirieren?
Franciska: Ich liebe Textilien seit meiner Kindheit. In meiner früheren Anstellung hatte ich den riesigsten Kleiderschrank. Das jetzt ist ganz anders, ich freue mich über jedes Teil, das ich in unserem Secondhand-Sortiment für Frauen finde, und kaufe viel seltener neue Kleidung.
Viviane: Freundinnen und andere Frauen, auch unsere Kundinnen inspirieren uns. Unser Laden ermöglicht ein physisches Zusammentreffen mit anregenden Menschen, das haben wir uns erhofft. Es gibt bei uns zwar eine Spielecke, aber keinen Kaffee, das wäre einfach zu aufwändig, schon nur wegen dem Putzen. Dennoch wollen wir einen Ort des Austauschs bieten.
Franciska: Man soll sich bei uns wohlfühlen, auch mit Kindern, die sind natürlich willkommen.
Viviane: Fast jeden Tag treffen sich bei uns zwei Kundinnen, die sich kennen. Und diejenigen, die regelmässig kommen, lernen wir mit der Zeit besser kennen, das ist toll.

«Wir freuen uns an jedem Sack, der zu uns kommt, immer sind wir gespannt, was wohl drin ist.»

Was kommt noch alles bei Petite Puce? Zukunftspläne und -träume?
Franciska: 
Mehr Platz. Und ein kleiner, feiner Online-Shop, das ist Zukunftsmusik und Ziel irgendwann, vor allem für die Neuware, da wir Brands führen, die in der Schweiz sonst nirgends erhältlich sind.
Viviane: Schöne wäre, wenn in der Brunngasse jemand ein Kindercafé eröffnen würde, wenn die Gasse weitere Angebote für Kinder bieten würde. Unser grosser Traum ist eigentlich schon Wirklichkeit geworden. Wir freuen uns an jedem Sack, der zu uns kommt, immer sind wir gespannt, was wohl drin ist. Es ist eine Leidenschaft.
Franciska: Unser Geschäft macht uns Mut – es ist viel möglich, wenn man mit Dingen arbeiten kann, die man liebt, bei der Arbeit tun kann, was man gerne tut, mit Freunden arbeitet – da hat man so viel mehr Energie. Wir zwei hatten keine langjährige Freundschaftsbasis, wir haben uns durch das Arbeiten erst besser kennen gelernt, aber wir ergänzen uns, und die gute Zusammenarbeit hat viel mit Respekt zu tun. Unsere Arbeitszeiten haben wir nur während des ersten halben Jahres aufgeschrieben.
Viviane: Wir geben beide alles für den «Puce».

Momentan gilt aus Platzgründen: Annahme von Kleidung nur nach Vorabsprache per Telefon oder E-Mail.

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