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In sechs Schritten zur guten Garderobe

Wie bewusst shoppt ihr Kleider? Die Modeindustrie ist eine der grössten Umweltsünderinnen. Wir haben Alternativen zur Fast Fashion.
19 Nov 2019
Bilder — Anne Schlüter (The Hole Story)

Die harte Wahrheit vorneweg: Wer seinen ökologischen Fussabdruck im Bereich der Kleidung reduzieren will, sollte möglichst wenige neue Kleider kaufen. Denn selbst der beste Hersteller verbraucht Ressourcen, um ein neues Stück herzustellen. Die herkömmliche Produktion einer Jeans beispielsweise erfordert 8’000 Liter Wasser. Wow!

Die Grundregeln für eine langlebige Garderobe kennen wir ja: Basics auswählen, die sich gut kombinieren lassen, sich hochwertige Qualität leisten und gewisse Trends einfach mal vorbeiziehen lassen, ohne mitzumachen. Nichtsdestotrotz gehen Kleider auch mal kaputt, unser Körper nimmt neue Formen an, die Kinder wachsen, unser Stil verändert sich. Dann empfehlen wir Folgendes:

1. Im eigenen Schrank shoppen

Nix zum Anziehen trotz vollem Schrank? Die günstigste (weil gratis) und nachhaltigste Lösung ist es, im «eigenen Schrank zu shoppen». Also alle Kleider rausnehmen und neue Kombinationen überlegen. Das geht auch gut mit Freundinnen oder Freunden, die noch einen anderen Blickwinkel reinbringen. Oder mit einem Profi wie z.B. Petra Staffelbach von stylesessions, die Kleiderschrankberatungen zuhause anbietet. Ziemlich sicher resultieren daraus ein paar neue Outfits aus bereits Vorhandenem. Damit die Kombinationen nicht sofort wieder vergessen gehen, schnell anprobieren, fotografieren und auf dem Handy ein Album mit den Fotos anlegen. So ist die Inspiration stets griffbereit.

2. Aus der Not eine Tugend machen

Kleider zu flicken ist mit dem Aufschwung von Fast Fashion aus der Mode gekommen. Auch wir haben uns schon oft überlegt, ob wir 40 Minuten ins Flicken einer Kinderhose investieren sollen, oder vielleicht doch die neue Jeans im Grossverteiler für 14 Franken kaufen. Zum bewussteren Konsum gehört, zu reparieren, was noch zu retten ist. Glücklicherweise gibt es immer mehr Angebote, die das vereinfachen:

  • In Bern gibt es im Loeb (Nähkaffee im 3. Stock) sowie in der Wirkerei Viktoria Atelierplätze, in welchen Nähmaschinen und-material zur Verfügung stehen, in der Wirkerei auch mit Betreuung. Hier und hier gibt es tolle Inspirationen zum selber flicken.
  • Hose kaputt und keine Freude am Löcher-Look? Stitchie Burn bietet eine grandiose Alternative zu den herkömmlichen, ästhetisch manchmal fragwürdigen Aufnähern, die beispielsweise eine zerrissene Hose retten können. Der Stickereikünstler wandelt eure eigenen Designs (auch Kinderzeichnungen!) in Aufnäher um.

    Bild: Sarah Pfäffli

  • The hole story haben wir kürzlich auf Instagram entdeckt und wir sind davon ganz hingerissen. So eine gute Idee, so toll umgesetzt! Anne Schlüter verwandelt kaputte Lieblingsstücke in tragbare Kunst (siehe die Bilder in diesem Beitrag) und bietet mit The hole story einen Reparaturservice, Workshops und Beratung an. Lokalisiert ist das Ganze im Secondhandshop The Secondhand in Luzern. Ein solches Angebot wünschen wir uns in der ganzen Schweiz!

3. Ein zweites Leben schenken

A apropos Secondhandkleider: Die kommen immer mehr weg vom leicht muffigen Image, das ihnen lange anhaftete. Zu kaufen, was sich bereits im Kreislauf befindet, schont Ressourcen. Wir selber greifen oft auf secondhand-Stücke zurück, für uns ebenso wie für unsere Kinder. Unsere besten Teile haben wir hier gefunden:

  • Onix Münstergasse: Erst seit kurzem bietet Onix auch Secondhandmode an, da wurden wir aber schon mehrfach fündig. Kleine, aber hochwertige Auswahl, Kleiderannahme jeweils nur Donnerstags. Am 30. November 2019 bietet hier die oben erwähnte Petra Staffelbach gratis Stilberatungen an. Onix
  • Petite Puce: Schon seit längerem unsere Go-To-Adresse für Second Hand-Mode, sowohl für Kinder wie Frauen, wir haben schon hier und hier über den hübschen Laden in der Brunngasse berichtet. Petite Puce
  • Secondo Mit Filialen in der Rathausgasse, Kramgasse und in Ostermundigen. Viele Markenkleider und Accessoires, die Filiale in Ostermundigen ist die Grösste. Secondo
  • The NewNew: Im Shop, der von Greis (Berner Filiale) und Michèle Roten (Zürich) gegründet wurde, werden die Kleider bar angekauft, das finden wir praktisch. Allerdings sind die Erlöse mit ca. 10-20 Prozent des Neupreises auch eher klein. In Bern hats immer viele trendy Teile – und eine gute Auswahl an Schuhen. In Zürich gibts darüber hinaus Kindersachen und Einrichtungsgegenstände. The New New (allein die lustigen Fragen & Antworten sind den Besuch der Website wert.)
  • Fizzen Rework (gibts auch in jedem Fizzen, natürlich): Für die Rework-Kollektion schneidet der Fizzen alte Kleider auseinander und näht sie neu zusammen. Das heisst: alte, schöne Kleider mit aktuellem Schnitt, jedes Teil ein Einzelstück! Das ist Upcycling im besten Sinne. Besonders gut gefallen uns die gebleichten Rework Sweatshirts.
  • Kleiderberg: Dieser online-Service bietet eine Plattform zum Kauf und Verkauf schöner Damen-, Herren- und Kinderkleidung an. Das sympathische Frauen-Trio setzt gerade einen Relaunch um, schaut Euch unbedingt in den nächsten Tagen die neue Website an: Kleiderberg.
  • Tutti: Wir haben uns hier schon einmal als Fans des Online-Portals geoutet. Gerade für Gegenstände einer bestimmten Marke lohnt es sich, die App herunterzuladen und ein Suchabo einzurichten.

Auch gut, weil oft noch günstiger als im Shop und erst noch im Freundeskreis: einen «Kleiderkreisel» gründen. Wir haben eine WhatsApp-Gruppe, in welcher wir untereinander schöne, aber nicht mehr geliebte Kleider an Freundinnen weiterverkaufen oder tauschen. Und von wegen Tauschen: Kleidertauschbörsen sind ebenfalls eine gute Möglichkeit, nicht mehr Gewünschtes abzugeben und gegen was Passenderes zu tauschen. In Bern kennen wir Fairkleiden (nächstes Mal am 29. November), Walk-in Closet veranstaltet Kleidertauschbörsen in der ganzen Deutschschweiz.

4. Wenn kaufen, dann gut

Das Angebot an Fair Fashion wächst stetig, aber noch ist es immer deutlich schwieriger, fair statt fast zu kaufen. Gute Information ist darum Gold wert. Get changed! bietet umfangreiche Infos an zu nachhaltigen Läden und Brands. Grossartig: hier kann mit einer Karte nach Shops in der Nähe gesucht werden (in der Schweiz, Deutschland und Österreich!). In Bern sind unter anderem gelistet:

  • Grüne Welle: Der Onlineshop ist nun auch mit einem fixen Lokal bei der Tramhaltestelle Sulgenau vertreten. Grosse Auswahl an Kinder- und Erwachsenenkleidern von ausschliesslich nachhaltig produzierenden Labels. Grüne Welle
  • Stoor: Die kleine, aber feine Boutique an der Rathausgasse, wo wir uns immer gut beraten, aber nie zum Kauf gedrängt fühlen. Fabia und Oli führen im Stoor nur nachhaltig produzierende Labels für Damen und Herren. Stoor
  • Nordring Fair Fashion: Der in der Lorraine gelegene Laden führt auch einen grossen Onlineshop (mit teilweise lustigen Übersetzungen aus dem Französischen: «Hauschuhe», anyone?) und bietet nur Produkte aus zertifizierten und fair hergestellten Materialien an. Nordring Fair Fashion

Dass aber auch grosse, bekannte Häuser und Brands teilweise recht gut abschneiden bezüglich ihrer Nachhaltigkeitsaspekte, wussten wir bis vor ganz kurzem auch nicht. Die App «Good on you» hat uns diesbezüglich aufgeklärt! Für über 2200 Marken findet man hier ausführliche Erläuterungen, wo sie bezüglich Umweltschutz, Arbeitsbedingungen und Tierschutz stehen. Auch sehr praktisch, wenn man etwas spezifisches sucht, Outdoorkleidung, beispielsweise.

5. Online-Shopping: Bewusst auswählen

Wusstet ihr, dass Zalando in der Schweiz jährlich 20 Millionen Pakete ausliefert? Und davon 10 Millionen wieder retourniert werden? Das Tragische daran: Ein Teil der Ware wird nach der Rücksendung direkt vernichtet – unvorstellbar, eigentlich! Hier ein interessanter Artikel zum Thema Onlineretouren. Wer also online einkauft, sollte sich wirklich bewusst entscheiden und nicht einfach Sachen zum Zuhause anprobieren bestellen. Wir haben selber durchmischte Erfahrungen gemacht mit dem Online-Kleiderkauf und versuchen, so viel wie möglich vor Ort einzukaufen. Empfehlen können wir:

  • Wie Rrrevolve so schön sagt: «Jeder Kassenbon ist auch ein Abstimmungszettel.» Das Schweizer Unternehmen hat sich der Nachhaltigkeit verschrieben und führt neben den zwei Stores in Zürich auch einen Online-Shop. Rrrevolve
  • Grüne Erde: Sehr hochwertige, meist in Europa gefertigte Kleidung (aber auch Möbel und Einrichtungsgegenstände), die Herkunft der Materialen und der Produktionsort sind immer ausgewiesen. Vorteil: der Versand erfolgt aus der Schweiz, das heisst, es gibt keine nervigen Zollrechnungen. Grüne Erde
  • Clomes.ch Ausgewählte Schmuckstücke, Kleider und Accessoires sind auf Clomes.ch zu haben. Hier werden ausgewählte Stücke aus Manufakturen und von Schweizer oder internationalen JungdesignerInnen verkauft. In der Länggasse hats momentan (noch) einen Showroom. Clomes.ch
  • Babaà Knitwear Die wunderschönen Strickjacken und -Pullover werden in Spanien hergestellt, alle Materialien sind 100% natürlich: «We are a family that cares about what we produce and how we produce it.» Samples spendet Babaà einem Flüchtlingszentrum. Die Schönheit hat ihren Preis, aber der lohnt sich, wenn man sich einen Klassiker zulegen möchte.
    Babaà
  • Junglefolk haben wir bei der guten Key and the Gang entdeckt, selber haben wir noch nie bestellt, aber die Sachen sehen toll aus und die Philosophie der Marke überzeugt.
    Junglefolk
  • Thoughts of September bezaubert mit wunderschöner und nachhaltiger Lingerie made in Luzern. Guckt Euch mal die Models an, wie wohltuend! Gründerin Zippora Marti kennen wir von “One – The Project”, in welchem sie ein Jahr lang täglich dasselbe Kleid trug, nun hat sie sich mit diesem tollen Projekt selbständig gemacht. Thoughts of September

6. Und wenn es schnell gehen und günstig sein muss?

Wir kennen es alle: Es ist halb sechs, die letzte hübsche Hose ist zerrissen oder die Regenjacke auf Nimmerwiedersehen verschwunden, und am nächsten Tag steht der Schulausflug oder der wichtige Termin bei der Arbeit an. Also rasch zu einem Grossisten, bei welchem man sicher ist, dass das Gesuchte auch in der richtigen Grösse vorhanden ist. Aber auch da kann man sich noch für eine etwas bessere Lösung entscheiden: C&A schneidet beispielsweise bei Good on you mit «Good» ab – wenn also mal rasch was her muss, besser dort kaufen als beim gegenüberliegenden Kleiderschweden («Good on you»-Verdikt: «It’s a start»). Auch Coop Naturaline wird von Get changed! empfohlen.

Welche Ideen oder Empfehlungen habt ihr noch? Wir freuen uns über eine gute Sammlung in den Kommentaren!

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20. November 2019
Oder am besten Babykleider mieten bei Miniloop www.miniloop.ch das ist die nachhaltigste Variante die ich bis jetzt gefunden habe.
19. November 2019
Eva Hefti
Jaaa! Weisst Du, ob es das auch in der Schweiz gibt? Oder ist das einfach auf privater Basis?
19. November 2019
Danke für den Artikel! Was auch super ist, sind »Kleider Swaps«, an denen man Lieblings-Klamotten mit anderen tauscht, aber nur für bestimmte Zeit. Man trägt etwas »Neues« und freut sich umso mehr, wenn das verliehene Lieblingsteil wieder zurückkommt. Ist also quasi eine Kombi aus »Im eigenen Schrank shoppen« und herkömmlichem Tauschen.