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Warum wir heute noch einen Frauenstreik brauchen?

Zahlen und Fakten sprechen eine klare Sprache: Deshalb gehen wir nach dem grossen Streik 2019 auch heute wieder auf die Strasse.
14 Jun 2021
Bilder — Unsplash, EKdM

800’000 Frauen haben in der Schweiz bereits sexualisierte Gewalt erlebt. 430’000 Frauen wurden vergewaltigt. Nur 8 Prozent von ihnen haben den Vergewaltiger angezeigt, weil der Prozess schrecklich und die Erfolgsaussichten minim sind. Gerade mal 82 Vergewaltiger wurden 2015 rechtskräftig verurteilt.

61 Femizide zählten wir 2020, 14 Femizide seit Anfang 2021. Das sind doppelt so viele wie letztes Jahr im selben Zeitraum. 300 Unterkunftsplätze gibt es für Opfer von Gewalt. 800 Plätze bräuchte es, damit Frauenhäuser Personen in Not nicht wegschicken müssten.

19 Prozent beträgt der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern 2019. 18 Prozent betrug er 2016. 100 Milliarden Franken gross die Einkommenslücke zwischen Frauen und Männer pro Jahr.

28 unbezahlte Arbeitsstunden leisten Frauen im Haushalt pro Woche. Das sind 50 Prozent mehr als die Männer. Ganze 70 Arbeitsstunden leisten Mütter pro Woche. 52 davon sind unbezahlt. Insgesamt sind 1 Milliarde Stunden Kinderbetreuung pro Jahr unbezahlt. 248 Milliarden Franken ist der monetäre Wert der unbezahlten Arbeit von Frauen in der Schweiz jährlich. Das ist mehr als Bund, Kantone und Gemeinden zusammengerechnet jedes Jahr ausgeben.

«28 unbezahlte Arbeitsstunden leisten Frauen im Haushalt pro Woche. Das sind 50 Prozent mehr als die Männer. Ganze 70 Arbeitsstunden leisten Mütter pro Woche. 52 davon sind unbezahlt.»

14 Prozent der Mütter werden nach der Geburt ihrer Kinder entlassen. 30 Prozent tiefer ist die Rente von Frauen als von Männern. 3-mal höher ist die Wahrscheinlichkeit für Frauen, nach einer Scheidung auf dem Sozialamt zu landen, als für Männer.

Gerade einmal 2 Geschlechter gibt es im Gesetz – unendlich viele in der Realität. 7-mal höher ist die Suizidrate von trans Jugendlichen als die von cis Jugendlichen.

Erst 50 Jahre ist es her, seit Frauen stimmen dürfen. Gerade 9 Bundesrätinnen gab es in der Geschichte der Schweiz, dafür schon 110 Bundesräte. 39 Prozent beträgt der Frauenanteil aktuell im Parlament. Das ist mehr als je zuvor, aber immer noch zu tief. 7 Kantone haben keine Frauen in der Regierung. Nur einzelne Städte haben mehr Frauen als Männer im Parlament.

«Gerade 9 Bundesrätinnen gab es in der Geschichte der Schweiz, dafür schon 110 Bundesräte.»

Wir haben 0 Geduld übrig. Aber jene, die denken, wir verschwinden nach einiger Zeit einfach wieder, haben sich geirrt.

Es gibt Hunderte Gründe, Feminist*in zu sein, und in den letzten Jahren fanden Tausende Demonstrationen statt. Weltweit kämpfen wir mit Millionen Schwestern und Feminist*innen für Veränderung und am 14. Juni nehmen wir uns wieder die Strassen.

Wer einen Beweis will, dass man uns nicht ernst nimmt, muss nur schauen, was in den zwei Jahren seit dem feministischen Streik 2019 passiert ist, bzw. nicht passiert ist. Denn diese Fakten sind schon lange bekannt. Aber jene, die denken, wir verschwinden nach einiger Zeit einfach wieder, haben sich geirrt.

Wir verlangen Gerechtigkeit! Wir verlangen Freiheit! Wir verlangen Sicherheit! Wir verlangen Geld, Zeit und Respekt für unsere Arbeit und wir gehen nicht mehr weg!

* Tamara Funiciello ist Nationalrätin (SP, Kanton Bern). Dieser Text ist zuerst in der «SonntagsZeitung» vom 06. Juni 2021 erschienen.

Foto: Eidg. Kommission Dini Mueter

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