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Mama hat keine Angst

Wie erklärt man Kindern Themen wie Flucht und Krieg? Das berührende Kinderbuch «Die Flucht» kann dabei helfen. Eins gibts zu gewinnen.
Kooperation
15 Jan 2018
Illustration — CinCin

Wie ein schwarzes Monster mit langen Fingern, das die Hälfte der Doppelseite bedeckt, kriecht der Krieg in das Leben einer ganz normalen Familie «in einer Stadt nahe beim Meer». In Francesca Sannas Bilderbuch «Die Flucht» (2016) werden die Schrecken des Krieges und der Horror der Flucht in fantastischen und doch realen Bildern erzählt. Die Figuren, die der Familie auf ihrer Odyssee begegnen, die Grenzwächter und Schlepper, sind abstrakt und überproportioniert dargestellt, umso näher geht die Illustration der kindlichen Gefühlswirrungen zwischen Angst, Neugierde und Hoffnung.

Die in Sardinien geborene Illustratorin studierte an der Hochschule Luzern und liess sich für ihre Abschlussarbeit «Die Flucht» von Gesprächen inspirieren, die sie mit Flüchtlingen in der Schweiz und in Italien geführt hat. Für ihr erstes Bilderbuch wurde die 27-Jährige mit der begehrten Gold-Medaille der Society of Illustrators New York ausgezeichnet. Sie habe die Flucht als kraftvolles Element zeigen wollen, sagte Sanna dem «Migros Magazin»: «Es zeigt die Überzeugung, die Stärke dieser Menschen. Normalerweise sehen wir Flüchtlinge in einer passiven, hilfesuchenden Rolle.»

In der Erzählung flüchtet eine Mutter mit ihren beiden Kindern, nachdem der Vater im Krieg gestorben ist, «in ein Land weg von hier mit hohen Bergen». Die Reise findet im Dunkeln statt, oder versteckt in einem Auto. An der Grenze werden sie von grimmigen Wächtern abgewiesen und müssen im Wald untertauchen. Sie bezahlen einen Schlepper und müssen schliesslich noch das Meer überqueren, bis sie endlich mit dem Zug in ihre neue Heimat und ins Ungewisse einfahren.

Die Geschichte wird aus der Perspektive eines Kindes erzählt. In knappen Sätzen heisst es da etwa: «Eines Tages nahm der Krieg uns Papa weg», oder «Wir sind auf dem Boot mit so vielen anderen Menschen! Es gibt kaum Platz und es regnet jeden Tag, doch wir erzählen einander Geschichten.»

«Eines Tages nahm der Krieg uns Papa weg.»

Berührend auch die vermeintliche Stärke der Mutter aus der Sicht der Kinder, als sich die drei in der Nacht im Wald verstecken müssen: «Im Dunkeln machen mir die Geräusche des Waldes Angst. Doch Mama ist ja da, und sie hat nie Angst.» Auf dem Bild dazu sieht man die Mutter, die mit angsterfülltem Blick weint und die beiden schlafenden Kinder im Arm hält.

Das eindrückliche und feinsinnig illustrierte Buch eignet sich ideal dafür, um schon etwas älteren Kindern anschaulich zu machen, wieso Menschen kriegsbedingt ihr Land verlassen müssen. Erzählt man es kleineren Kindern, wird man vor die Herausforderung gestellt, in einfachen Worten zu erklären was Krieg, Grenzen, Flucht bedeutet und sie darauf vorzubereiten, was sie vielleicht früher als erwartet in den Medien aufschnappen.

Verlosung

Wer ein Exemplar von «Die Flucht» gewinnen möchte, schreibt bis 22. Januar 2018, 23:59 Uhr hier einen Kommentar. Die Gewinnerin/der Gewinner wird ausgelost, benachrichtigt und muss das Buch persönlich im Chinderbuechlade an der Gerechtigkeitsgasse 26 in Bern abholen.

* Sarah Sartorius ist Redaktionsleiterin der Berner Kulturagenda. Sie freut sich, dank ihrer Tochter wieder in die Bücher ihrer Kindheit einzutauchen. Unter dem Titel «Eselsohren» stellt sie Lieblingsbilderbücher vor. Diese Rubrik wird unterstützt vom Chinderbuechlade Bern.

Chinderbuechlade, Gerechtigkeitsgasse 26, Bern – www.chinderbuechlade.ch
Berner Kulturagenda – www.bka.ch