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Oh, oh – Ostern: Rituale zum Frühlingsfest

Schoggi en masse und Geschenkeschlacht? Warum nicht! Aber es geht auch anders. Oder gar nicht. So feiern andere Familien Ostern.
6 Apr 2022
Bilder — Florina Schwander, Annie Spratt (Unsplash)

Wer weiss, was an Ostern eigentlich genau passiert ist? Warum wir Ostern überhaupt feiern? Wir versuchen uns meist via Auffahrt («da ist Jesus doch auferstanden») und Pfingsten («hm, was war da nochmal?») heranzutasten, was Ostern im Christentum für eine Bedeutung hat, oder nehmen mal wieder eine Bibel zur Hand, um nachzulesen, was da war: An Ostern wurde Jesus getötet und ist wieder auferstanden. Oder wie es die Pfarrerin Andrea Kindler in diesem Interview bei uns vor einiger Zeit etwas poetischer gesagt hat:

«Ostern ist ein Frühlingsfest; es ist eine Geschichte von neuem Leben, vom Sieg des Lebens über den Tod. Dieses Thema wird uns im Leben immer wieder beschäftigen. Mit den Osterbräuchen werden wir uns dessen bewusst.»

Währenddem die Geschichte hinter Weihnachten den meisten Menschen viel präsenter ist, hat Ostern diesbezüglich einen schwereren Stand – die Passionsgeschichte kindgerecht zu erklären ist nicht einfach. Wer – ob nun christlich gläubig oder nicht – mit den Kindern mehr dazu erfahren möchte: Folgende Bücher erzählen die Ostergeschichte auf kindgerechte Weise: «Geschichten aus der Bibel», «Die Kinderbibel» oder «Die illustrierte Bibel für Kinder». Und wer Ostern lieber ohne religiöse Literatur thematisiert, wird sicher in der eigenen Familiengeschichte Beispiele von Leben und Tod finden, mit welchen wir unseren Kindern (und auch uns selber) Wertvolles mitgeben können: Geschichten von Hoffnung, Kraft und Liebe.

Ob eher kommerziell orientiert oder im Glauben verwurzelt: Ostern kann vielfältig zelebriert werden. Hier die Rituale unserer Autorinnen.

Die ganze Familie auf Schoggieiersuche

Für uns ist es wichtig, dass Ostern kein zweites Weihnachten wird, bei dem alle Geschenke bekommen. So sind wir bei der Schoggi geblieben, das ist ok. Wir gehen am Ostersonntag jeweils zu meinem Schwager und seiner Familie brunchen. Sie haben einen riesigen Garten und dort suchen dann Erwachsene und Kinder nach den fantasievoll versteckten Schoggihasen und -eiern, die jeder in seinem Nestli sammeln und heimnehmen kann. Im Vorfeld färben wir zuhause Eier und probieren Jahr für Jahr neue Techniken. Zu unserem Osterritual gehören auch verschiedene Bücher, die wir jedes Jahr erzählen. Wir mögen «Die Ostergeschichte» von Brian Wildsmith (leider aktuell vergriffen), «Das Osterküken» von Geraldine Elschner oder «Das komische Ei» von Emily Gravett (leider auch vergriffen, gibt’s aber noch in der Bibliothek).
Milena Salzmann (vier Kinder im Alter von 1½, 4½, 7 und 9)

Endlich mal die komplette Geschichte

Die süssen Schläckboxen meiner Kinder sind noch voll von Halloween. Ich bin relativ locker beim Thema Zucker bei den Kindern und doch habe ich keine Lust, spätestens an Auffahrt nach «wie hiess nochmal dieses Cakerezept aus Schoggiresten» zu googeln. Zum Glück halten sich die Schoggigeschenke bei uns im Rahmen und werden von den Grosseltern teilweise sogar ersetzt mit Büchergeschenken für die Kinder, auch wenn das eigentlich nicht sein müsste für mich. Für mich bedeutet Ostern auch meist Frühlingsanfang, und ich freue mich über verschiedenen Ansammlungen von Zweigen in der Wohnung, die wir alle nach Lust und Laune mit gebastelten Hasen und Co. behängen und uns überraschen lassen, ob sie noch blühen oder nicht. Auch Eier färben wir gerne und meist mehrmals mit der guten alten Strumpf- und Kräutertechnik, das lieben die Kinder.
Ich nehme mir für diese Ostern fest vor, meinen Kindern die komplette Ostergeschichte zu erzählen und vielleicht auch einen Gottesdienst zu besuchen. Ich merke, dass es mir als sehr überzeugter Ex-Katholikin immer wichtiger wird, meinen Kindern unsere Ansicht von Glauben und die Bedeutung einzelner Feste mitzugeben, damit sie sich ihre eigene Meinung bilden können. Von mir aus auch vorübergehend mit etwas zu viel Zucker im Blut.
Florina Schwander (eine Tocher, bald 8 und Zwillingsjungs, 6 Jahre alt)

Vertrauen beim Zuckerkonsum

In den letzten Jahren hat sich Ostern bei uns zu so etwas wie zweites Weihnachten entwickelt, jedenfalls, was die «Nestchen» der Grosseltern angeht. Nachdem ich mich öpe zwei Jahre lang fürchterlich darüber aufgeregt und in alle Richtungen Streit vom Zaun gerissen habe, habe ich mich letztes Jahr meinem Frieden zuliebe damit arrangiert. Nun versuche ich bloss, noch mehr Spielzeug zu verhindern und stattdessen «zusammen neue Hosen/Turnschuhe/T-Shirts auswählen gehen» und Ähnliches durchzusetzen. Was den Zucker angeht: Hier halte ich es wie meine Eltern früher und lasse die Kinder einfach essen. Meist erwischen sie den richtigen Moment zum Aufhören ganz von alleine. Und wenn nicht: Was ist schon ein Minimü Bauchweh gegen das Wissen, dass einem heute sicher niemand reinredet?
Karin Hänzi (zwei Kinder, 10 und 6 Jahre alt)

Wenn Ostern ausfällt

Es kam schon auch vor, dass wir Ostereier angefärbt haben oder bei meiner Tante zum Osterbrunch eingeladen waren. Aber meistens machen wir zu Ostern: gar nichts! Meine Kinder kennen Ostern und seine Bedeutung. Aber wir verstecken keine Osternester und schon gar keine Spielzeuge. Für unsere Kinder ist das nicht schlimm. Sie kennen es ja nicht anders! Die Bedeutung von Ostern hat ja auch irgendwie mit «Neuanfang» zu tun. Dem können wir durchaus etwas abgewinnen. Wir machen es neu und jedes Jahr ein bisschen anders. So hatte mein ältester Sohn heuer die Idee, dass wir in diesem Jahr meiner Mutter und ihrem Freund ein Osterei im Garten verstecken könnten, und zwar ein besonders grosses – ein Gänseei!
Tabea Reusser (vier Kinder im Alter von halbjährig bis 8)

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