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«Raufen ist eine sehr intime Form des Spiels»

Körperliche Spiele seien unheimlich gut für Kinder, sagt Heather Shumaker. Und erklärt, warum wir Spielzeugwaffen nicht verbieten sollten.
20 Okt 2020
Bilder — Unsplash, Pixabay

Morgenstress, das Kind weigert sich, in den Kindergarten zu gehen, und verlangt Süssigkeiten, sonst werde es nicht aus dem Haus gehen. Obwohl es bei uns morgens nie Süsses gibt. Statt mich auf einen Machtkampf einzulassen, denke ich an Heather Shumaker und sage: «Du liebst Süssikgeiten, gell? Wollen wir das auf deine Wunschliste aufschreiben?» Kind: «Ja, ich will eine Schatzkiste voll Süssigkeiten zum Geburtstag! Für mich ganz alleine!» Ich nehme Stift und Papier und schreibe den Wunsch auf. Das Kind ist zufrieden und geht in den Kindergarten. Die Süssigkeiten wurden nie mehr erwähnt.

Der Tipp mit dem Aufschreiben stammt aus «It’s Ok Not To Share». In ihrem Buch (und dem Nachfolger «It’s Ok To Go Up The Slide») hinterfragt Heather Shumaker gängige Erziehungsmythen und gibt uns neue und andere Ansätze zur Erziehung zur Hand, die so genannten «Renegade Rules for Kids» (vielleicht am besten übersetzt als «Rebellenregeln für Kinder»). Diese Regeln sind nicht antiautoritär, sondern berücksichtigen insbesondere die emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern: Was können wir von einem 5-Jährigen erwarten? Und wie können wir ihm oder ihr in seiner oder ihrer Entwicklung helfen?

Ihr Ansatz ist so einfach wie wirkungsvoll. Und in vielen Bereichen erteilt sie den Eltern die Erlaubnis, es ruhig angehen zu lassen – unsere Kinder werden keine schrecklichen Erwachsenen sein, weil sie heute noch den ganzen Tag streiten oder im Sandkasten mal ein anderes Kind hauen. Sie lernen. Und wir können ihnen dabei helfen.

Was ist der Unterschied zwischen einer spielerischen Rauferei, dem «Rough play», und einem Konflikt?
Heather Shumaker: «Rough play», also ein grobes, körperliches Spiel, ist eben ein Spiel. Es bedingt zwei Menschen, die zusammen spielen wollen. Wenn Sie also Ihre Kinder körperlich miteinander spielen sehen, sollten Sie sich vergewissern: Macht das beiden Spass? Ringen kann ein schönes Spiel sein. Aber vielleicht hat das eine Kind riesigen Spass und das andere weint fast und mag es nicht. Wenn das Spiel also einem Kind gefällt und dem anderen nicht, ist es kein Spiel, sondern ein Konflikt. Auf der anderen Seite muss ein Konflikt nicht immer körperlich sein. Ein Konflikt kann sich durch Worte oder Grimassen manifestieren.

Warum ist es gut für Kinder, wenn sie sich spielersich prügeln?
Ich weiss nicht, ob Sie dieses Wort im Deutschen haben, aber im Englischen nennen wir es «Puppy play»: Hunde, Affen, Wölfe und Katzen – all diese sozialen und intelligenten Säugetiere spielen auf diese Weise. Für die soziale Entwicklung der Jungtiere ist es sehr wichtig, sich auf diese Art von Ringen einzulassen, sich zu wälzen, so zu tun, als würden sie sich schlagen oder beissen. Die Eltern machen es mit den Jungen, die Jungen machen es untereinander. Es ist eine Möglichkeit für sie, Bindungen zu schaffen und ihre soziale Ordnung zu ermitteln. Wir stellen uns den Menschen gerne als intelligentes und soziales Tier vor. Und doch sind wir überrascht, wenn unsere Jungen diese Art von Spiel mögen.

«Solange beide Parteien Spass haben und es keinen Konflikt gibt, ist Rangeln ein pro-soziales Spiel mit einem Partner, das eine sehr starke Bindung schaffen kann.»

Ich habe das Gefühl, dass nicht alle Kinder diese Sorte grobes Spielen mögen.
Nicht alle Kinder fühlen sich davon angezogen. Aber die meisten werden es sein, wenn sie mit diesem Spielangebot konfrontiert sind und man ihnen sagt, dass es in Ordnung ist. Dann werden sie es tun, egal wie oft ihre Eltern ihnen sagen, es nicht zu tun. Einige Kinder scheinen es mehr zu brauchen als andere.

Was passiert, wenn es rau zugeht?
Es schafft Freundschaftsbande zwischen Geschwistern und zwischen Freunden. Wenn man sich mit jemandem im Spiel streitet, verbindet man sich auf einer ganz anderen Ebene, als wenn man nur zusammen an einem Tisch sitzt. Man fängt an zu lachen und kommt sich sehr nahe, Raufen ist eine sehr intime Form des Spiels. Solange beide Parteien Spass haben und es keinen Konflikt gibt, ist es ein pro-soziales Spiel mit einem Partner, das eine sehr starke Bindung schaffen kann. Wenn sie sich einmal verbunden haben, können sie mehr Dinge gemeinsam tun. Vielleicht kann ihr Spiel anspruchsvoller werden. Kinder, die viel raufen, werden deswegen nicht zu gemeinen, gewalttätigen oder kriminellen Erwachsenen heranwachsen.

Was ist, wenn Eltern solche Raufereien  immer gleich unterbinden?
Erwachsene, vor allem Mütter oder Lehrerinnen, werden bei dieser Art von Spiel oft nervös. Wir verstehen das nicht. Und deshalb wollen wir es abschalten. Aber wenn wir mit den erwachsenen Männern in unserem Leben sprechen, die wir lieben und von denen wir wissen, dass sie gute Menschen sind, reagieren die oft mit Lachen. Sie fühlen sich mit dieser Art von Spiel wohl. Sie werden oft hören: «Oh, das habe ich als Kind auch immer gemacht!» Kleine Kinder, vor allem Jungen, haben oft keine fortgeschrittenen verbalen Fähigkeiten. Es beraubt sie ihrer Gelegenheiten, Freundschaften zu vertiefen, wenn sie ihre Freunde nicht schubsen oder sich mit ihnen auf dem Boden wälzen können.

«Kinder, die viel raufen, werden nicht zu schrecklichen Erwachsenen heranwachsen.»

Wir wollen unseren Kindern beibringen, niemanden zu verletzen. Ist es nicht natürlich, dass wir sie vom Schlagen und Schubsen abhalten wollen?
Wenn wir diese Art von Spiel verbieten, die sehr natürlich und gesund ist, tun wir unseren Kindern tatsächlich weh. Wenn ein Kind gerne geschubst wird, und wir ihm erlauben, geschubst zu werden, ist das respektvoll. Das ist radikaler Respekt.

Wir sollen also respektieren, dass ein Kind ein Spiel spielen will, das uns Eltern vielleicht nicht gefällt?
Wenn einem Kind ein Spiel gefällt, müssen wir es weiterspielen lassen. Aber wir müssen den Kindern helfen zu lernen, wie sie Grenzen setzen können, indem sie sagen: «Ich mag es nicht, wenn du mich schlägst! Ich mag es nicht, wenn du mir die Schaufel wegnimmst!» Und ein Kind, dem eine Grenze gesetzt wurde, muss diese Grenze respektieren. Nicht notwendigerweise von einem Erwachsenen, sondern von einem anderen Kind, dann ist es Peer-to-Peer-Respekt. Das ist wichtig für das ganze Leben.

«Die Kinder werden sich daran gewöhnen, für sich selbst einzustehen, aber auch daran, Grenzen anderer zu respektieren.»

Inwiefern?
Kinder werden sich daran gewöhnen, für sich selbst einzustehen und eine Grenze zu setzen, aber auch daran, sie zu respektieren und in der Lage zu sein, diese Impulse zu stoppen und sich selbst zu kontrollieren. Das ist auch für die Sicherheit der Erwachsenen wichtig. Denken wir an die Me-too-Bewegung: Die Fähigkeit, Menschen davon abzuhalten, unseren Körper zu berühren oder Dinge zu tun, die uns nicht gefallen, ist in jedem Alter von wesentlicher Bedeutung.

Und Kinder lernen das beim Raufen?
Durch das Raufen können wir lernen, wie wir Grenzen setzen. Es geht aber auch darum, darauf zu hören, was andere wollen, und ihre Grenzen zu respektieren. Wir sorgen dafür, dass Kinder Fähigkeiten entwickeln, um friedlich zu leben. Wir wollen nicht, dass sie kämpfen. Aber wir können Frieden nicht lernen, indem wir einfach nur darüber reden. Man muss ihn lernen, indem man Konflikte erlebt. Deshalb brauchen sie Übung. Wir können uns nicht einfach hinsetzen und sagen: «Jetzt lernen wir etwas über Frieden.»

Sollten wir als Eltern Regeln für Raufereien aufstellen, wie z.B. nicht Beissen?
Im Allgemeinen müssen Erwachsene die Zeit- und Ortsregeln festlegen. Die Kinder müssen wissen, wann und wo sie das Spiel spielen dürfen. Vielleicht müssten sie dafür Matten bereitlegen oder mit den Kindern in einen anderen Raum gehen. Wenn die Zeit und der Ort festgelegt sind, dann funktioniert es meiner Meinung nach am besten, wenn die Kinder die Regeln selber festlegen. Aber vor allem am Anfang, wenn sie sich an diese Art von Spiel gewöhnen, werden sie Ihre Hilfe brauchen, Sie müssen in der Nähe sein. Denn wenn die Kinder ein spannendes, energiereiches Spiel spielen wie Ringen oder Boxen, tauchen meist schnell Konflikte auf. Es ist alles sehr fokussiert, weil es eine so hohe Energie freisetzt. Vielleicht werden sie also ein Spiel spielen wollen, bei dem sie sich gegenseitig schlagen, aber der erste Schlag ist zu hart und jemand fängt an zu weinen.Und dann stoppen wir das Spiel?

Vielleicht wollen die Kinder mit dem Spiel weitermachen. Sie müssen also zumindest am Anfang in der Nähe sein, um ihnen dabei zu helfen, Konflikte zu klären. Sie könnten die Kinder schon zu Beginn einmal fragen: «Wollt ihr irgendwelche Regeln aufstellen?» Dann werden sie aber wahrscheinlich noch nein sagen. Wenn etwas passiert ist, können Sie ihnen helfen, den Vorgang zu verstehen: «Was hat dir nicht gefallen?» – Ihre Aufgabe ist es, zu sagen: «Was hast du nicht gemocht? – «Gut, sag es ihm, kein Haareziehen!» Bringen Sie sie dazu, zu versuchen, diese Regel selber aufzustellen. Das ist alles Übung für Friedensfertigkeiten. Ich schreibe es gerne mit einem Stift auf Papier auf: Regel Nummer eins: Jack sagt: «Kein Haareziehen!» Und dann spielen sie weiter – und bald taucht etwas anderes auf, und Sie helfen ihnen dabei, Regel Nummer zwei aufzuschreiben. Wenn sie diese Grundregeln einmal für sich selbst geklärt haben, können die Kinder in der Regel recht lange spielen.

Was bringt es, die Regeln aufzuschreiben?
Die Kinder lernen die Kraft ihrer eigenen Worte, auch wenn sie noch nicht schreiben oder lesen können. Die Dinge aufzuschreiben, die Ihr Kind sagen möchte, ist eine sehr wirkungsvolle Methode, mit vielen verschiedenen Situationen umzugehen.

«Das imaginäre Spiel erfordert ein sehr fortgeschrittenes Denken, und Gegenstände wie Spielzeugwaffen helfen den Kindern dabei, die Verbindungen in ihrem Gehirn herzustellen.»

Lassen Sie mich eine Frage zu Waffen stellen. Unsere Kinder lieben Superhelden und Spielzeugwaffen. Ihr Lieblingsspiel ist Kämpfen und Kriegen mit Legofiguren. Sollten wir uns Sorgen machen?
Die moralische Entwicklung der Kinder verläuft in ihrem natürlichen Tempo. Es ist für Kinder in diesem Alter sehr, sehr, sehr normal und natürlich, dass sie Superheldenspiele und -kämpfe und all das lieben. Solche Spiele sind machtvoll, und Kinder suchen nach Gelegenheiten, Macht zu erleben. Es wird als sogenannt «episches Spiel» betrachtet, in dem sie versuchen, Gut und Böse, Richtig und Falsch, Helden und Bösewichte zu ermitteln. Es ist auch eine Möglichkeit für die Kinder, herauszufinden, wie es sich anfühlt, jemand anders zu sein, was ein sehr wichtiger Schritt für die Entwicklung von Einfühlungsvermögen und für die moralische Entwicklung ist. Es erfüllt viele Bedürfnisse der frühen Kindheit und geht über die Tatsache hinaus, dass Kinder sich von Waffen angezogen fühlen. Sie versuchen, Gut und Böse zu ermitteln, und sie versuchen, sich in dieser Welt einzufügen.

Aber warum brauchen sie dafür Waffen?
Studien zufolge haben Jungen ein grösseres Bedürfnis, einen Gegenstand in der Hand zu halten, wenn sie spielen, als Mädchen. Damit sie ihren Spielideen über ihren Kampf oder ihre Superhelden nachgehen können, brauchen sie etwas in der Hand. Das imaginäre Spiel erfordert ein sehr fortgeschrittenes Denken, und die Gegenstände helfen ihnen dabei, die Verbindungen in ihrem Gehirn herzustellen. Auch Mädchen benutzen Gegenstände, wir nennen sie Requisiten. Ein gängiger Name ist Spielzeug (lacht). Kinder brauchen im Grunde kein Spielzeug, aber Spielzeug ist beim Spielen hilfreich. Und wenn sie ihre Spielzeugpistole nicht haben, benutzen sie ihre Finger oder einen Stock.

Es hat also keinen Sinn, Waffen zu verbieten?
Wenn man Waffen verbietet, sagt man den Kindern: «Eure Idee ist schlecht, ihr seid schlecht.» Das wird ihnen ihr Interesse an Waffen nicht nehmen, sondern es sogar noch verstärken, weil Sie sie verbieten. Sie werden also ihr Interesse an Waffen hinter Ihrem Rücken wecken. Wenn ein kleines Kind sich sehr für Waffen interessiert und weiss, dass Sie sie nicht mögen, wird es Ihnen auch nicht Bescheid geben, wenn es eine echte Waffe findet. Das ist sehr beängstigend. Kinder müssen Ihnen sagen, wenn sie glauben, dass sie eine echte Waffe gefunden haben. Sie sollten ihr Interesse an Waffen offen äussern können.

«Wenn sie im wirklichen Leben Mitgefühl zeigen, ist es egal, ob sie sich bei einem Spiel gegenseitig umbringen.»

Ich habe immer noch Mühe damit, dieses sehr gewalttätige Spiel zu akzeptieren.
Machen Sie sich keine Sorgen, wenn es schwer zu akzeptieren ist. Wir als Erwachsene haben grosse Angst vor Waffen, und das ist in Ordnung. Ich habe einen Abschnitt in meinem Buch darüber, wie man sich mit dem Waffenspiel vertraut macht.  Wenn Sie Spielzeugwaffen nicht akzeptieren können, dann akzeptieren Sie Schwerter oder etwas anderes. Es ist gesünder für Sie und das Kind, wenn seine Spielideen willkommen sind. Und wenn sie diese Art von Superheldenspiel haben, machen Sie sich nicht so viele Sorgen darüber, wie gewalttätig die Idee ist. Vielleicht sind sie alle tot und jagen Dinge in die Luft. Wichtig ist, wie die Kinder reagieren, wenn im wirklichen Leben jemand verletzt wird. Wenn eines Ihrer Kinder hinfällt und verletzt wird, reagieren die anderen Kinder dann mit Sympathie und Einfühlungsvermögen und holen Hilfe? Wenn sie im wirklichen Leben Mitgefühl zeigen, ist es egal, wenn sie sich im Spiel gegenseitig scheinbar umbringen. Es kommt darauf an, was im wirklichen Leben passiert und wie sie mit den Emotionen des wirklichen Lebens umgehen. Diese Spiele sind sehr kompliziert. Sie haben eine Menge sozialer Komponenten. Sie sind immer dabei, die Regeln herauszufinden: «Nein, ich bin dieser Typ! Du machst das!» – Das ist sehr gut für die soziale Entwicklung, für das Lesen von sozialen Hinweisen. Es ist sehr pro-sozial – auch wenn sie sich gegenseitig umbringen. Es geht sehr viel um Kompromisse und Verhandlungen, die eine menschliche Schlüsselkompetenz für den Frieden sind.

Was, wenn sie wollen, dass ich mit ihnen mitspiele? Ich hasse diese Spiele. Kann ich ihnen diesen Wunsch verweigern?
Ja, ich erlaube es ihnen (lacht). Ganz im Ernst: Es ist wichtig, dass die Eltern wissen, dass auch sie Grenzen setzen können. Ich habe meine Mutter immer eingeladen, mit mir Tee zu trinken. Sie hasste dieses Spiel. Ich holte alle meine Teddybären mit Teetassen heraus. Sie mochte dieses Spiel nicht. Ab und zu hat sie es mit mir gespielt, und dann war ich sooo glücklich. Vielleicht können Sie es einfach ab und zu mal machen? Aber es ist in Ordnung, wenn die Eltern sagen: Das ist kein Spiel, das ich mag. Sie könnten auch sagen: Ich werde dieses Spiel nicht mit dir spielen, aber ich werde in der Zwischenzeit bei dir sein und etwas anderes tun. Vielleicht sind Sie also im selben Raum und machen Ihr Ding. Oder Sie könnten eine, wie ich es nenne, «besondere Zeit» bestimmen, in der Sie ein wenig Zeit mit jedem Kind einzeln verbringen und das tun, was es gerne tun möchte. Vielleicht sind es nur 20 Minuten, aber die Kinder können die Aktivität wählen, und vielleicht spielen Sie dann sogar mit Lego, denn es ist nur eine kurze Zeit. Es geht darum, Zeit dort zu haben, die Sie beide zusammen verbringen, und das verbindet Sie noch mehr. Sie verbringen vielleicht den grössten Teil des Tages zusammen, aber da dies eine besondere Zeit ist, hilft es der Beziehung.

«Die Ideen sind perfekt. Aber wir Menschen sind nie perfekt.»

Ihre Kinder waren 3 und 6 Jahre alt, als Sie das Buch schrieben. Jetzt müssen sie etwa 12 und 15 Jahre alt sein. Können Sie jetzt die Früchte der «rebellischen» Erziehung Ihrer Kinder ernten? Welche Fragen stellen sich in diesem Alter?
Was mir während der Pandemie aufgefallen ist, ist, dass die Fähigkeiten in diesem Buch das sind, was die Menschen brauchen – egal welchen Alters. Selbst als Großeltern hat man noch Gefühle und Konflikte. Aber das ist in Ordnung, solange man weiss, wie man an diesen Konflikt herangeht, und man versteht, dass es in Ordnung ist, wütend zu sein, und was man tun kann, um für sich einzustehen und seine Bedürfnisse zu befriedigen. Natürlich haben meine Kinder Konflikte, natürlich habe ich Konflikte – wir sind Menschen. Aber die Fähigkeiten, die ein Dreijähriger erlernt, sind in jedem Alter wichtig und nützlich. Viele Leserinnen und Leser haben mir erzählt, dass sie mein Buch für ihre Kinder im Oberstufen-Alter oder für ihre Ehemänner oder Ehefrauen verwenden. Vielleicht verwenden sie andere Worte, aber es ist die gleiche Idee. Vielleicht hat jemand einen Konflikt, ein starkes Gefühl, vielleicht fängt er nicht an zu beissen oder zu schlagen – aber es ist die gleiche Grundidee. Ich verwende diese Ideen immer noch bei meinen Kindern. An manchen Tagen bin ich besser darin als an anderen … Die Ideen sind perfekt, aber wir Menschen sind nie perfekt.

In Teil 2 des Interviews sprechen wir mit Heather Shumaker über den Unterschied zwischen Raufereien und echten Konflikten. Und wie wir mit ständigen Streitereien umgehen können. Demnächst hier bei uns.

Heather Shumaker

Die Autorin hat zwei Kinder im Teenageralter und lebt in Michigan, wo wir sie für dieses Gespräch am Telefon erreicht haben. Ihre Bücher sind auf Englisch und neu auch auf Französisch erhältlich («Parents, rebellez-vous: Comment résister à la pression sociale et élever des enfants bien dien dans leur peau») – deutsch leider noch nicht. Das englische Hörbuch von «It’s Ok Not To Share» ist auf Spotify erhältlich.

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