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Schluss mit der Ironie: Elternsein ist einfach anstrengend

Ganz offen redet kaum jemand darüber, wie physisch und psychisch belastend die erste Zeit mit zwei oder mehr Kindern ist. Das muss ändern.
10 Apr 2019
Bild – Abbie Bernet (Unsplash)

Das Leben mit zwei Kindern wird streng, sagten sie, die Freunde, die bereits zwei Kinder hatten. Ich habe immer mitfühlend genickt und insgeheim gedacht: «Bei mir wird das anders. Meine Kinder werden unkomplizierter sein. Ich werde das besser wegstecken.»

Dreizehn Monate später ist meine Tochter in dem Alter, in dem sie überall hochklettert und sich hochzieht. Dabei kennt sie keine Angst und kann Gefahren nicht einschätzen. Zu Hause sitze ich nie länger als zwei Minuten, weil immer jemand gerade sein Essen runterschmeisst oder noch einen Löffel braucht oder im Tripptrapp aufsteht.

Ich spüre meinen Rücken und die Reduktion meiner Nerven und Reserven.

Tatsächlich hab ich (Holz anfassen) zwei unkomplizierte und vor Gesundheit strotzende Kinder. Trotzdem sind gerade die ersten achtzehn Lebensmonate (wenig Schlaf, viel Tragen, wenig Autonomie des Kindes) körperlich und psychisch enorm anstrengend. Und dann ist da ja noch ein älteres Kind, das auch Bedürfnisse hat und ständig will, dass Mami zuhört, Mami zuschaut, Mami noch ein Gschichtli improvisiert. Und Mami lueg, ich kann auch rückwärts. Ich spüre meinen Rücken und die Reduktion meiner Nerven und Reserven.

Gemeckert wird höchstens im Scherz

Nein, das ist nicht so ein Blogeintrag, der mit schnippischem Sarkasmus das Leben mit Kindern in ein «Ist doch alles halb so wild!»-Licht rückt. Früher haben wir mit unseren Alkohol- und Shopping-Exzessen angegeben. Jetzt versuchen wir andere Mamas mit «im Wohnzimmer sieht es aus, als hätte ein Bombe eingeschlagen» zu übertrumpfen. Jetzt ist cool, wem bei der Teamsitzung am Montag Morgen zwei Nuggis, ein Quetschi und die mineralische Sonnencreme aus der Tasche purzeln. Zumindest wenn frau dann salopp-zynisch darüber berichtet.

Das Chaos und den Kontrollverlust, die mit mehreren Kindern unser Leben überrollen, mit Ironie zu nehmen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber das Schutzschild der Ironie bedient immer noch das Tabu von: Familie ist das höchste Glück. Über die eigenen Kinder wird höchstens im Scherz gemeckert.

Ganz öffentlich redet kaum jemand darüber, wie physisch und psychisch belastend die erste Zeit mit zwei oder mehreren Kindern ist. Mamas brennen nicht nur aus, sondern die fehlende Belastbarkeit ist auch noch mit Scham behaftet. Wir fühlen uns immer noch schuldig, dass uns Kinder aufziehen nicht locker von der Hand geht.

Wir fühlen uns schuldig, dass das Kinder aufziehen uns nicht locker von der Hand geht.

Deshalb möchte ich hier ein für alle Mal, mit vollem Ernst und ohne einen Hauch von Sarkasmus die Hosen runterlassen: Das Leben mit zwei (und ich nehme an, auch mit mehr) Kindern ist verdammt streng. So streng, dass ich manchmal die letzten Meter auf dem Heimweg mit Tränen kämpfe (oder mir die Tränen runterlaufen), weil ich mir nicht vorstellen kann, wie ich Kinderwagen, Kinder und Einkäufe in den zweiten Stock rauftragen soll. Obwohl es Millionen von Frauen mit Kindern wahrscheinlich öfter genauso geht, fühle ich mich in solchen Momenten immer sehr allein.

Ich fand’s ja schon mit einem Kind nicht ohne. Und ich habe sehr viel Unterstützung. Ich schätze unsere Fremdbetreuung enorm, mein Mann und ich sind ein eingespieltes Team. Wie das Alleinerziehende schaffen oder Mütter mit anderen, zusätzlichen Herausforderungen, wage ich gar nicht zu denken. Denn obwohl sie knapp bemessen sind, habe ich auch immer wieder Freiräume – grosses Merci an die Grosseltern an dieser Stelle. Aber vier anstatt nur drei Bedürfnisse von Familienmitgliedern unter einen Hut zu bringen, ist eine andere Liga des Jonglierens und Koordinierens.

Wie das Alleinerziehende schaffen oder Mütter mit anderen, zusätzlichen Herausforderungen, wage ich gar nicht zu denken.

Oft ertappe ich mich bei dem Gedanken: «Aber es ist auf ein Leben gesehen nur eine kurze Zeit.» Das ist auch, was einem Eltern älterer Kinder und viele weichgezeichnete Instagram-Posts suggerieren: Geniess es, sie werden so schnell gross! Natürlich, die ersten drei Lebensmonate mit Abendkrisen und Verdauungstörungen sind kurz. Die ersten achtzehn Monate bis Kinder zweibeinig mobil und selbständig sind, gehen auch vorbei. Aber sag das mal einer Frau, die mitten drin steckt und seit Monaten nie eine Nacht durchgeschlafen hat.

Mindestens so streng, wie es schön ist

Klar, der Mensch ist enorm anpassungsfähig. Im Grunde ist es auch befreiend, die eigenen Bedürfnisse weniger wichtig zu nehmen und die des kleinen Wesens in der Vordergrund zu rücken. Vielleicht ist es sogar unsere einzige Chance, Distanz zur ewigen Selbstoptimierung zu gewinnen. Aber die erste Zeit mit kleinen Kindern zehrt an der Substanz. Und was ist, wenn die ganz aufgebraucht ist?

Kinder haben, ist mindestens so streng, wie es schön ist. Und allzu oft denke ich: Wieso hat mir das niemand gesagt? Wieso war ich so unvorbereitet? Wieso reden die wenigsten darüber, wie ermüdend das Leben als junge Eltern ist? Erst recht wenn man vielleicht nicht mehr so jung ist, also keine zwanzig mehr.

Ich sehne mich nach einer Ent-Tabusierung. Nach Müttern und Vätern, die uns während der zweiten (oder dritten) Schwangerschaft bewusst machen: Es wird streng. Ohne uns Angst zu machen und die Erfahrung vorweg zu nehmen. Ich hätte gerne gewusst, was es heisst, für zwei quengelnde, hungrige Kinder ein Mittagessen innert Minuten auf den Tisch zaubern zu müssen. Ich hätte gerne vorher gewusst, dass ich mir manchmal vorkommen werde wie ein Tintenfisch, der trotzdem immer ein Tentakel zu wenig zu haben scheint. Ich hätte gerne mehr Informationen gehabt, anstatt nur: «Es wird streng mit zwei Kindern.» Ich sehne mich nach Solidarität, nach ehrlichem Austausch und nach Transparenz ohne Angst.

Ich sehne mich nach Solidarität, nach ehrlichem Austausch und nach Transparenz ohne Angst.

Früher waren Eltern weniger allein, so zumindest die romantisierende Vorstellung. Das ganze Dorf beteiligte sich an der Kindererziehung und -betreuung. Wir brauchen nicht weit zurückzugehen: Schon die Generation unserer Eltern war wirtschaftlich besser ausgestellt. Es war ein Leichtes, einen Job zu finden. Ein Eigenheim wurde für viele möglich. Niemand hob die Augenbrauen, wenn die Mama zu Hause bei den Kindern blieb. Aber viele applaudierten, wenn sie sich entschied, als Mutter berufstätig zu bleiben. Sicherlich zerbrach man sich auch weniger den Kopf über die richtige Erziehungsstrategien. Kinder möglichst früh zum Durchschlafen bringen, wurde nicht zum grossen Durchbruch erklärt. Es war ja nicht so zwingend, dass frau am Arbeitsplatz nach vierzehn Wochen wieder total leistungsfähig war.

Perfektion und Überinformation

Heute verspüren wir den Druck, ob nun von Innen oder von Aussen, auf beruflichen und privaten Schauplätzen Bestleistungen zu geben. Wir leben nicht mehr im Kollektiv und lernen nicht mehr direkt von unseren Müttern, Grosstanten und Cousinen die Kunst des Kinderkriegens und -aufziehens. Wir stürzen uns in die Fachliteratur und vereinsamen in unseren Stadtwohnungen. Der eigene Perfektionismus kommt uns ebenso dazwischen wie die Überinformation zu potenziellen Risiken, denen unsere Kinder ausgesetzt sein könnten. Als Folge davon entfernen wir uns in unserer Blase immer weiter von einfachen, pragmatischen Lösungen, die sowohl für uns selber wie für unsere Kinder am besten wären.

Ich frage mich, ginge das auch anders? Könnten wir uns nicht trotzdem die Hand reichen und Erfahrungswerte weitergeben? Könnten wir einander nicht ermutigen, einen Gang zurückzuschalten? Könnten wir uns gegenseitig zwischendurch daran erinnern, dass gut genug auch gut ist? Könnten wir nicht ohne zu Beschönigen zu einander sagen: «Es wird streng. Aber ich erzähle dir, wie’s uns ergangen ist. Und ich helfe dir, so gut ich kann.»

Wie ergeht es euch? Findet ihr euch in diesem Artikel wieder, oder überhaupt nicht? (Wenn nein, spricht euch dieses Interview vielleicht mehr an: «Die glückliche Mutter – das neue Tabu?») Wir freuen uns über eure Kommentare. Gute Texte zum Thema sind im neuen Elternmagazin «Fritz & Fränzi» mit dem Schwerpunkt Eltern-Burnout enthalten, zum Beispiel dieses Interview: «Herr Sumpf, weshalb sind so viele Eltern überfordert?» Später diese Woche liefern wir die Überlebenstipps von anderen Eltern.

* Elisa Malinverni ist Yogalehrerin in Bern.

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16. April 2019
elisa
PS: Sorry wenn mein Kommentar etwas wirr ist... heute ist Mamitag und die Kleine zerrt an meinem Hosenbein.... :-) Such is life. :)
16. April 2019
elisa
Liebe Frauen, vielen Dank für eure solidarischen Kommentare. Ich freue mich, dass ihr euch in meinen Schilderungen und Überlegungen wieder erkennt. Es geht mir nicht darum zu jammern, sondern einfach ein Bewusstsein zu schaffen, wie überaus normal das Gefordert- und manchmal Überfordertsein mit kleinen Kindern ist. Wie bei so vielen anderen Dingen: Wenn wir wissen, das geht allen so, dann fällt uns ein Stein vom Herzen. Und wir fühlen uns eben nicht mehr allein. @Liebe Anita, ich habe mir gar nichts vorgestellt. Unser erstes Kind war alles andere als geplant. Ich war mir zu dem Zeitpunkt nicht sicher, ob ich überhaupt Kinder wollte. Aber ich hab mich voll drauf eingelassen und bezeichne mich heute als überaus glückliches (und funktionierendes) Mami. Ich bin jeden Tag dankbar für meine Familie. Trotzdem finde ich es wichtig, darüber zu sprechen, dass die ersten Jahre mit kleinen Kindern viel Energie und Nerven kosten. Es scheint mir dringend, dass das Bewusstsein dafür steigt. Keine Mutter sollte sich dafür schämen müssen, wenn sie nicht alles im Griff hat. Die Schuldgefühle scheinen mir aber weit verbreitet. Ich wollte mit diesem Text lediglich zeigen, dass wir alle im gleichen Boot sitzen. @Denise: Ja entschuldige, mein Text macht vielleicht nicht grad Mut. Aber für jeden Moment, in dem die Nerven blank liegen, gibt es mindestens eine Handvoll Glücksmomente. Und die Liebe, die ein Mami für die eigenen Kinder verspürt, ist unbeschreiblich. Ich war auch wie du. Mir war meine Unabhängigkeit, meine Zeit für mich, mein Raum enorm wichtig. Ich hatte richtig Angst davor, einen Groll auf meine Kinder zu entwickeln. Aber ich kann dir versichern, es gab noch nie einen einzigen Augenblick der Reue. Man wächst in alles rein. Und ganz ehrlich: Es hat meiner persönlichen Entwicklung sehr gut getan zu erfahren, dass ich durchaus damit klar komme, wenn ich und meine Freiheiten nicht mehr an erster Stelle stehen. @Seline: Ja, das haben mir jetzt schon mehrere Leute gesagt: Und du hast natürlich Recht, der hindsight-bias färbt alles Vergangene schön. Vielleicht können wir sagen, es war in keinem Zeitalter wirklich easy kleine Kinder und Babies zu haben? Entweder musste Frau fünfzehn Mal gebären oder musste allein zu Hause bleiben mit den Kindern oder ist eben heutzutage einer mehrfach Belastung ausgesetzt... Aber ich bin auch dafür zu sagen: Wir haben es in vielerlei Hinsicht sehr gut. Ich bin dankbar, darf ich beides haben, Kinder und Beruf. @ Sofie, Seline, Lesly, Verena und Flavourflav: Danke für eure lieben Rückmeldungen und dafür, dass ihr hier auch kurz eure Geschichte geteilt und Hosen runter gelassen habt. Vielen Dank, ehrlich. Euch allen, alles Gute. In zehn Jahren haben wir dann Teenies und denken, ach war das schön, als die Kleinen noch so klein waren. :-))
13. April 2019
Anita
Ich bin Mutter von drei Kindern, alle unter 41/2 Jahren. Natürlich ist es streng! Wenn es nicht so wäre, dann wäre es eine Diktatur! Kinder haben Ideen, wollen erleben und Grenzen testen. Das bringt auch mich an Grenzen und muß immer aufpaßen, daß ich keine Erpreßungen oder Strafen ausspreche, wenn es nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle. Wie wäre es toll, einmal ein Eßen zu Hause einfach genießen zu können. Aber nein, man muss zig mal wegen irgendwas aufstehen oder Ausgeleertes aufwischen. Aber ich erfreue mich an den Kleinigkeiten! Mit einem Büchlein erfreue ich alle, Mami und Kids. Mit Hausarbeit kann ich Streitereien schlichten und Aufgaben erledigen. Mit Spaziergängen Pausen für alle schaffen. Im erlernten Beruf zu arbeiten ist auch streng! Mami oder Papi sein auch! Was hast du dir denn vorgestellt? Auch mit drei Kindern ist bei mir die Wohnung sauber, die Wäsche gemacht und der Kühlschrank gefüllt. Vergleicht euch doch nicht mit andern. Stellt euch keine Meßlatte. Jede Familie hat ihre eigenen Prioritäten! Und wenn sich jemand alleine, allein gelaßen oder einsam fühlt..., das liegt nicht an den Kindern! Findet heraus warum, denn nur ein funktionierendes (und glückliches) Mami / Papi bringt Harmonie und Ruhe in die Familie. Und es ist völlig normal, daß nicht jeder Tag, was schreib ich da - jede Stunde, jede Minute gleich ist! Ich finds toll, daß man auch über Ansprengendes in der Familie sich austauschen kann.
11. April 2019
Denise
Liebe Elisa, Danke für diese ehrlichen Worte. Ich werde dieses Jahr 36 und habe (noch) keine Kinder. Ich beschäftige mich sehr oft mit dem Gedanken ob Ja oder Nein zum Kind(er). Und ich bewundere Frauen, die klar Ja oder Nein sagen können - ich befinde mich wohl in der Mitte und bin hin- und hergerissen. Zum einen finde ich Kinder toll (liebe mein Patenkind über alles) und zum andern liebe ich meine Freiheit, Nächte die man durchschlafen kann, Wochenende ohne Plan - einfach das tun, was frau will.... Dein Text zeigt mir/und ehrlich, dass es halt nicht immer ganz so toll ist, wie viele dem Schein nach aussen versuchen zu zeigen ;) Allen mit Kindern starke Nerven und viel Liebe
11. April 2019
Sofie
danke für diesen text. er spricht mir aus dem herzen. mein mann und ich fragen uns manchmal auch wie andere dies machen. gerade heute mit zwei kranken kindern (22Mt. und bald 4J.). ich glaube einfach, dass man es sich einfach nicht vorstellen kann, wie es ist, wenn man dann mal Kinder hat. dieser strudel, diese nerven die es kostet, manchmal diese wut und Überforderung. danke für deine worte! ich werde diesen text weiterempfehlen!
10. April 2019
Seline
Liebe Elisa vielen Dank dir für den schönen und ehrlichen Text - auch mir geht es mit zwei Kindern (1,5 und 6) ganz oft so. Gerade wenn sie wie gerne im Winter gefühlte drei Monate krank sind. Und das ebenfalls mit engagiertem Papi der Kinder, einem Super-Grosi und einer wunderbaren Kita. Als Historikerin wehre ich mich allerdings gegen den Vergangenheitsoptimismus: es ist nicht durchgängig so, das früher in Kollektiven alles besser war oder es in den 70er-Jahren so einfach gewesen wäre, als Frau mit Kindern im Beruf zu bleiben. Das kam ganz auf die gesellschaftliche Schicht, den Zeitraum, den konkreten Ort & Kontext etc. an. Intem: du hast völlig recht, das mehr Ehrlichkeit und weniger Selbstdarstellung Not tut - aber auch ArbeitgeberInnen und ArbeitskollegInnen, FreundInnen und Mitmenschen die anerkennen, was Eltern jeden Tag leisten.
10. April 2019
Verena
Liebe Elisa, ich bin ganz bei dir (mit vier Wochen schlechten Nächten: zuerst Husten, dann Wachstum bei der Kleinen - oder so, nun beim kleinen Grossen keine Ahnung was, jedenfalls Wachphasen von 2-4 Stunden jede Nacht, die er ohne Mama oder Papa nicht übersteht/(en will) und das mit 3.5, ohne Mittagsschlaf und einer mittleren Bettliegezeit von 10 Stunden. Also nichts mit: spätestens ab 3 schlafen die allermeisten Kinder durch und überhaupt schlafen die in dem Alter ja noch recht viel. Meines nicht. Punkt. (Und es würde mich wundern, wenn ich da wirklich ganz alleine bin. Mindestens eine Nachbarin mit fast 5jährigen Zwillingen meinte nämlich kürzlich auch, sie stehe jede Nacht noch mindestens einmal auf)
10. April 2019
Lesly
Genau so ist es. Meine Kinder sind 5 und 2 1/2 und mein Zustand ist mehrheitlich müde und unentspannt. Und das obwohl ich privilegiert bin: Mein Mann und ich machen mit der Betreuung nachts und tagsüber konsequent halbe-halbe, wir haben eine gute Kita und engagierte Grosseltern. Ich musste lernen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Meine wichtigsten Kraftquellen: Früh ins Bett und soviel Zeit für mich alleine, wie ich nur einrichten kann. Das geht nicht, ohne auf enorm viel anderes zu verzichten - darüber redet auch niemand. Ich plädiere für zwei Sachen: Offene und authentische Berichte über das (junge) Familienleben (bin aber nicht sicher, ob das etwas ändern würde - ich selber konnte mir noch kinderlos schlicht und einfach nicht vorstellen, was es wirklich bedeutet, eine Familie zu haben) und dafür Elternsein als echte Chance für individuelles, persönliches Wachstum zu verstehen.
10. April 2019
flavourflav
danke elisa. danke für den hingehaltenen ironie-spiegel, mit dem ich nämlich tatsächlich auch jetzt noch (sie sind inzwischen 4 und 7) über meine erschöpfung hinweg-sprüchle. du hast total recht. das hilft langfristig nicht wirklich. ich würde mich den neuen schwangeren (sie & er) oder den frischgebackenen, gerne öfter mit runter gelassener hose präsentieren. und erzählen, wie ich das kind und später die kinder geschaukelt habe. oder besser: wie wir uns im überlebensmodus über wasser gehalten haben. manchmal bin ich nur unsicher, wer dies tatsächlich wissen will.