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Sie lässt alle Familien schön aussehen

Ulrike Meutzner ist Grafikerin, Fotografin – und Mutter von Zwillingen. Die Ruhe, die sie ausstrahlt, hilft ihr bei all diesen Aufgaben.
9 Mrz 2020
Bilder — Ulrike Meutzner (Other Days)

Jaron mag jetzt nicht mehr fotografiert werden. Er will turnen. Also turnen wir auf dem Bett herum. Die Kinder wild und frei, wir Erwachsene immer ein wenig drauf bedacht, keine Fratzen zu schneiden. Denn auch wenn wir sie kaum bemerken – neben dem Bett in unserem kleinen Schlafzimmer sitzt Ulrike Meutzner in der Hocke und macht ganz ruhig und unauffällig Fotos von uns. Familienfotos. Auf denen wir endlich einmal alle drauf sind, und nicht immer ein Elternteil fehlt, weil hinter der Kamera. Auf denen wir in unserem Alltag zu sehen sind, und nicht irgendwo an einem schönen Ferienort. Eine möglichst authentische Erinnerung.

Niemand, so scheint es uns, kann das so gut wie Ulrike. Sie fotografiert, das legen wir hier gleich offen, viele Bilder für Kleinstadt, und das von so schwierigen Themen wie einem Freibad im Sommer oder dem Abpumpen am Arbeitsplatz. Dabei schafft sie es, alles und alle irgendwie schön aussehen zu lassen. Am liebsten fotografiert sie bei natürlichem Licht, sie mag es weich, die Farben mild, am allerliebsten im Herbst, wenn die Sonne tiefer steht und die Schatten länger sind. Ihre Bilder haben eine ganz eigene Schönheit und Ästhetik, die unverkennbar ist – und für Familienfotos (noch) ungewöhnlich.

Denn die meisten Familienporträts, die professionell gemacht werden, sind völlig übertrieben fröhlich, sie überzeichnen das Emotionale. Ulrike Meutzners Bilder unter dem Namen Other Days Fotografie sind neutraler, ihr Blick ist beobachtender – und die Fotos sind deshalb auch umso stärker in der Aussage. Subtil, aber spürbar ist dabei stets Ulrikes starke ästhetische Prägung: Sie hat ursprünglich Schaufensterdekorateurin gelernt, nach dem Fachabitur (dem deutschen Pendant zur Berufsmatur) Kommunikationsdesign studiert und arbeitet immer noch Hauptberuflich als Grafikerin.

Die Fotografie, obwohl von der Pike auf gelernt, war für sie bis vor wenigen Jahren immer klar die Nebensache. Bis sie vor fast sieben Jahren begann, aus Frankfurt am Main in die Schweiz zu pendeln. Hier entdeckte sie das Medium auf Wanderungen neu. Erst fotografierte sie Landschaften. Dann widmete sie sich bald den Porträts, dem für sie abwechslungsreichsten Bereich der Fotografie: Zuerst die Arbeit mit den Menschen, dann der technische Teil, der Rückzug an den Computer, die Auswahl, die leichte Retouche.

Auch wenn sie gern schöne Dinge wie die Linck-Vasen inszeniert: Am Fotografieren fasziniert sie insbesondere die Vergänglichkeit des Augenblicks, und diese ist selten im Leben so spürbar wie in der Schwangerschaft oder der frühen Kindheit. Deshalb hat Ulrike angefangen, mehr und mehr Familien zu fotografieren. Die Nachfrage nach unkitschigen und trotzdem schönen Fotos, wie Ulrike sie macht, ist gross: Nicht im Fotostudio, sondern daheim fotografiert zu werden, Authentizität auf den Bildern einzufangen, das wünschen sich offenbar nicht nur wir.

Dabei gehts nicht um «Mut zur Hässlichkeit»: «Ich versuche, das Positive festzuhalten», sagt Ulrike. Das Ziel sei immer, dass sich die Leute am Ende als sie selber wiedererkennen. Ein Foto könne letztlich aber nie 100% authentisch sein: Durch die Wahl des Ausschnitts und des Moments geschehe bereits eine Selektion. Im besten Fall sei ein Foto jedoch wie die Erinnerung – auch sie überzeichnet das Positive, ist deshalb aber nicht weniger wahr.

Die Ruhe und Leichtigkeit, die Ulrike ausstrahlt, hilft beim Fototermin enorm. Während wir glauben, sie messe noch das Licht, macht sie schon die ersten – und teilweise die besten – Bilder. Ulrike hat eine seltene Gabe, den Leuten vor ihrer Kamera ein gutes Gefühl zu vermitteln. Vielleicht weil sie sich ernsthaft für die Menschen interessiert und sich ungern in den Vordergrund drängt. Sie ist freundlich mit den Kindern, aber nicht anbiedernd. Geduldig mit den Leuten, aber nicht passiv.

Diese fast selbstlose, aber würdevolle Haltung hilft ihr auch mit ihren kleinen Zwillingen. Die beiden sind nun zweijährig und lebten vor allem in der Anfangszeit vorwiegend auf der Mama. «Meine Schlafposition war: Ich auf dem Rücken, sie seitlich auf mir drauf.» Sie sagt das nicht klagend, sondern ganz nüchtern, als sei es das Normalste der Welt (was es ja im Grunde auch ist). Dauerstillend, mit Instagram auf dem Handy als Fensterchen zur Welt, hat sie zahllose Stunden verbracht. Auch während dieses Interviews, als beide Zwillinge gleichzeitig weinen, weil sie vielleicht Hunger haben, oder müde sind, oder beides – bleibt sie gelassen, mitfühlend, aber ruhig. Hinter ihren feinen Zügen verbirgt sich eine grosse Stärke, wie sie so häufig bei Müttern zutage tritt.

Die Mutter-Kind-Beziehung ist denn auch jener Teil der Familienfotografie, der sie momentan am meisten interessiert. Die Schwangerschaft. Das Stillen. «Das ist einfach ein ganz besonderes Band und ein einzigartiger Vorgang», findet Ulrike. Kinder sind eine besondere Herausforderung als Motive. Sie müssen zuerst Vertrauen zur Fotografin fassen – und dann nicht gelangweilt davonlaufen. «Am besten geht es, wenn sie mit etwas beschäftigt sind, das sie wirklich interessiert», erzählt Ulrike. So wars auch bei uns. Turnen. Und im sogar im Winter Unihockey spielen, dann halt, in Gottes Namen.

Nur von sich selbst und den süssen Zwillingen hat Ulrike kaum Fotos – obwohl ihr Freund Christoph selber Grafiker ist und auch gut fotografiert. Aber das ist anscheinend das Los der meisten Fotografen, dass sie selber kaum je auf einem Bild zu sehen sind, und besonders das Los jener, die sich eben nie selber in den Vordergrund drängen. Das Fehlen dieser Erinnerungen bedauert Ulrike mit Blick auf die rasende Zeit ein wenig. «Jetzt sind sie schon zwei und keine Babys mehr», meint sie etwas wehmütig, als sie den beiden auf dem Spielplatz zuschaut, wie sie mutig von der Mama davonstapfen. Sie freut sich auf den nächsten Schritt – und ist trotzdem etwas traurig, ist die Babyzeit nun schon vorbei. Die Vergänglichkeit einfangen: Das gelingt eben wirklich nur auf Fotos.

Professionelle Familienfotos ohne Kitsch

Unter dem Namen Other Days schafft Ulrike Meutzner aus Bern mit ihren Fotos kostbare und kitschfreie Erinnerungen für Familien. Sie bietet Pakete für  Fotoshootings an, die Angebote sind auf der Website zu finden. Auf Instagram verlosen wir in den nächsten Tagen ein Fotoshooting mit ihr. Dort gibts auch mehr Fotos von ihr zu sehen (Other Days auf Insta: hier.)

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