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Spitzengastronom, Hausmann, Breikoch

Christoph Schürch arbeitete in grossen Restaurants. Dann wurde er Vater und Hausmann. Heute liefert er als Minichef frischen Babybrei aus.
11 Apr 2018
Bild — Karin Hänni (Eckraum)

PET-Flaschenböden dienen als Herdknöpfe, ein kleiner Vorhang verbirgt die Pfännchen. In der Küche von Christoph Schürch und seiner Frau Denise Schürch im Wankdorfquartier steht noch eine zweite, kleine Küche, jene von Sohn Andri. Der 1 ½-Jährige scheint das Gastro-Gen seines Vaters geerbt zu haben. «Er liebt es, zu kochen. Sein erstes Wort war: heiss», sagt Christoph Schürch.

Der 39-Jährige hat unter dem Namen Minichef ein Startup gegründet, mit dem er der Babybrei-Gläschenkost von Firmen wie Hipp, Holle oder Nestlé etwas Frisches entgegensetzen will. Für Gläschenbrei hat er nur drastische Worte übrig. Wie zum Beweis stellt er ein Breiglas auf den Tisch, «das habe ich vor anderthalb Jahren gekauft. Und es sieht immer noch perfekt aus. Das kann doch nicht gut sein. Da wurden alle Nährstoffe zu Tode konserviert!»

Christoph Schürch ist ein temperamentvoller Typ, leidenschaftlicher YB-Fan, und auch das Thema Essen ist für ihn hochemotional – nicht zuletzt, weil er an Psoriasis (Schuppenflechte) leidet, einer Autoimmunerkrankung, die erfordert, dass er besonders auf die Ernährung achtet. Er weiss deshalb um den Wert von gesundem Essen. Und wer seinem Kind schon einmal einen gekauften Brei gefüttert hat, bekommt in der Diskussion mit Schürch fast ein schlechtes Gewissen.

Das schlechte Gewissen, nicht selbst für sein Kind frischen Brei kochen zu können, will Christoph Schürch den Eltern mit seinem Produkt nehmen.

Dieses schlechte Gewissen will Christoph Schürch den Eltern mit seinem Produkt nehmen. Er bereitet seinen Brei schonend zu, kühlt ihn lediglich herunter, packt ihn in Vakuumbeutel und liefert ihn – einmalig oder im Abo – gleich direkt in Mama oder Papas Büro oder zur Familie nach Hause. Menge und Zutaten sind dabei auf das Alter des Kindes abgestimmt, zum saisonalen Gemüse vom Biohof Riem kommen je nach dem auch Ei oder Fleisch. Der Service hat seinen Preis: 150 Gramm, also so viel wie in ein kleines Breiglas passt, kosten 6 Franken. Das leisteten sich zugegebenermassen eher gutverdienende Eltern. Aber Schürch betont Wert und Zeitersparnis: «Das sind 150 Gramm hochwertige Nahrung. Und die Eltern müssen nicht selber auf den Märit gehen und Biogemüse kaufen.»

Christoph Schürch kennt die Sorgen gerade von berufstätigen Müttern. Er war ein Jahr lang vollzeit Papa und Hausmann und oftmals der einzige Mann auf dem Spielplatz. «Ich wusste mehr über Stillprobleme als meine Frau», sagt er nur halb im Scherz. Die Erfahrung des Rollenwechsels war einschneidend und zeigte, dass es auch 2018 noch lange nicht normal ist, als Vater die Hauptverantwortung für ein Kind zu übernehmen. «Bei Arzt- und anderen Elternterminen wurde ich oft wie ein Nebendarsteller behandelt.» Auch seine Frau kämpfte als vollzeit berufstätige Lehrerin gegen Vorurteile und gar Anfeindungen. Ausgerechnet Frauen hätten sich oft kritisch geäussert, im Sinne von: «Wie kannst du nur?», gern zusammen mit der Frage: «Aber wer schaut denn zum Kind?»

Er war ein Jahr lang vollzeit Papa und Hausmann und oftmals der einzige Mann auf dem Spielplatz. «Ich wusste mehr über Stillprobleme als meine Frau.»

Unterdessen haben die Schürchs ihre Rollenverteilung wieder etwas angepasst. Christoph Schürch arbeitet zwei Tage pro Woche im Restaurant Freibank, Denise Schürch hat ihr Vollzeitpensum auf 4 Tage gelegt. Nicht wegen des gesellschaftlichen Drucks – der Gastronom hatte vielmehr einfach wieder Lust auf einen Job. In seinem Berufsleben hat er schon viele Küchen von innen gesehen, nach Gymnasium und Hotelfachschule liess er sich vom berüchtigten TV-Koch Gordon Ramsey herumscheuchen, leitete ein renommiertes Restaurant in London, war mitverantwortlich für die Verpflegung von etwa 10’000 Roche-Mitarbeitern in Basel. In Bern sah er sich schon nach einem Lokal für ein eigenes Restaurant um, als sich das Baby ankündigte – und Schürchs Leben einen neuen Fokus gab.

Das Breibusiness ist erst zögerlich am Anlaufen. Der Trend des «Baby lead weaning», bei dem das Kind nur mit Fingerfood und ohne Brei ans Essen herangeführt wird, ist für sein Geschäft auch nicht förderlich. Das ist Christoph Schürch egal, ja er findet diese neue Entwicklung in der Babyernährung sogar gut. «Es ist nicht mein Hauptziel, mit Babybrei das grosse Geld zu machen. Es geht mir ganz ehrlich um die Ernährung der Kleinen.»

Minichef veranstaltet immer am ersten Sonntag im Monat einen Familienbrunch im Löscher, das nächste Mal am 3. Juni. www.minichef.ch
Dieser Artikel erschien auch in der «Berner Zeitung».

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30. Mai 2018
Conway
Super Idee! Hötte ich Baby 👶 wör ich sofort Kundin! Bravo