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Wo Abdullah und Asmoron spielend lernen

Der Kinderhütedienst Plus+ in Bern fördert pro Woche über 150 Kinder mit Migrationshintergrund in sprachlicher und persönlicher Entwicklung.
21 Jun 2018
Bild — Claudia Link

Tränen kullern über die Wangen des dreijährigen Asmoron aus Eritrea. «Loslassen vom Mami, wenn auch nur für wenige Stunden, ist ein grosser Schritt», erklärt Rita Kieffer die Situation. Als Bereichsleiterin Sprach- & Integrationskurse bei der isa Informationsstelle für Ausländerinnen- und Ausländerfragen hat sie den Kinderhütedienst Plus+ im 2008 ins Leben gerufen. «Hier passiert mehr als das reine Beaufsichtigen der Kinder», sagt Kieffer.

Kontakt mit anderen Kindern

Asmoron verbringt zusammen mit anderen Kindern zweimal pro Woche je zwei Stunden im Kinderhütedienst Plus+ in der Berner Innenstadt. Er kommt hier spielerisch in Berührung mit der deutschen Sprache und macht weitere wichtige Erfahrungen – wie der Umgang mit anderen Kindern oder eben das Loslassen der Eltern. Die sitzen nämlich zwei Stockwerke höher im Klassenzimmer und besuchen einen Deutsch- oder Alphabetisierungskurs. Jedes Semester machen rund 370 Frauen und Männer aus 64 unterschiedlichen Nationen vom Kursangebot gebrauch. Pro Woche werden 37 Kurse durchgeführt, 24 davon haben den Kinderhütedienst Plus+ im Angebot.

Die Eltern sitzen zwei Stockwerke höher im Klassenzimmer und besuchen einen Deutsch- oder Alphabetisierungskurs.

Der vierjährige Abdullah aus Somalia ist aufgeweckt und interessiert, worauf ihn Hauptleiterin Christine Binggeli ins spielerische Lernen entführt: «Abdullah, komm wir flicken das Auto. Hier ist das Auto. Wir flicken es mit dem Hammer. Weißt du wo der Hammer ist?» Langsames, deutliches Sprechen und das Wiederholen von Wörtern sind wichtige Faktoren beim Erlernen der neuen Sprache. Und siehe da, Abdullah hat verstanden und holt den Hammer. «Das sind die Erfolge, die wir hier erleben können. Kinder lernen schnell, wenn man ihnen die richtigen Werkzeuge reicht», so Kieffer.

Ein Kind, das spielt, lernt – und ein Kind, das lernt, spielt

Eine Mehrheit der qualifizierten Betreuerinnen und zwei der pädagogisch ausgebildeten Hauptleiterinnen haben selber einen Migrationshintergrund. Die Betreuerinnen absolvierten beispielsweise eine Ausbildung zur Spielgruppenleiterin oder Vorschulerzieherin, wie sie von der IG Spielgruppen Schweiz, der ELSA Elternschule anders oder dem Kompetenzzentrum Alfred Adler angeboten wird. Dort wird unter anderem vermittelt, wie wichtig Rituale, Bewegung, Musik und Rhythmus für das Erlernen einer neuen Sprache sind.

«Ein Kind, das spielt, lernt und ein Kind, das lernt, spielt. Es wählt intuitiv jenen Lerninhalt, der seinem momentanen Entwicklungsstand entspricht. Die ausgebildete Betreuungsperson weiss genau, worum es geht und gestaltet ein den Bedürfnissen angepasstes, ansprechendes Umfeld», sagt Suzanne Collioud, Gründerin und Leiterin von ELSA.

Und genau das ist an diesem Nachmittag in den Räumen des Kinderhütedienst Plus+ zu beobachten: Alle Sinne der Kinder, die in verschiedenen Entwicklungsstadien stecken, werden angeregt und gefördert. «Eine optimale Vorbereitung für den späteren Kindergarteneintritt», sagt Rita Kieffer. Vor dem Zvieri trifft sich die Gruppe zu einem weiteren Ritual: «Wir stehen im Kreis, wir reichen uns die Hand, wir gehören alle zusammen, darum reichen wir uns die Hand», und während Abdullah lauthals mitsingt huscht bei Asmoron ein glückliches Lächeln übers Gesicht.

Die verschiedenen Angebote der Informationsstelle für Ausländerinnen- und Ausländerfragen isa werden subventioniert von Kanton Bern und Bund. Trotzdem fehlt es an finanziellen Ressourcen zur Aufrechterhaltung aller Angebote. Um alle Kinder, auch schon die Babys, der Kursteilnehmenden aufnehmen zu können, braucht es mehr qualifiziertes Personal, was wiederum zu höheren Kosten führt. Falls ihr etwas spenden möchtet: Postkonto 30-28321-0 .

Dieser Text erschien zuerst in der Migrationszeitung «Mix – Magazin für Vielfalt».

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