Saas-Fee mit Kindern ist nicht gleich Saas-Fee mit Ching. Weil Ching bedeutet auf Walliserdeutsch König. Wobei Kinder sich hier durchaus ein bisschen als König*innen fühlen dürfen. «Der Dialekt ist zum Teil für Sprecher des Standarddeutsch schwer verständlich, weil er eine eigene Grammatik und eigene Wörter aufweist», meint der Reiseführer. Und wir meinen: Auf nach Saas-Fee. Die Region ist nämlich nicht nur ein beliebter Wintersportort im Oberwallis – auch im Sommer und Herbst entpuppt sich das Saastal als eigentliches Königreich für Ching, pardon: Kinder. Und die Eltern kommen dabei ebenfalls nicht zu kurz.
Von Bern aus ist das Saastal mit den ÖV in zwei Stunden erreichbar, einmal Umsteigen in Visp. Von dort geht’s per Postauto nach Saas Grund. Hier logieren wir in einem der neuen, geschmackvoll eingerichteten Ferienapartements von Montela. Die grossen Montela-Gebäude mit markanter Holzfassade wurden in den letzten zwei Jahren erbaut und liegen praktischerweise gleich neben der Haltestelle «Unter dem Berg». Von Saas Grund aus sind es lediglich 10 Postautominuten hoch nach Saas-Fee.
Das autofreie Dorfleben wirkt entschleunigend und erspart Eltern den «Achtung, blib ufem Trottoir!»-Stress mit kleinen Kindern.
Nach dem herzlichen Empfang beziehen wir die grosszügige Wohnung und freuen uns auf zwei Tage Halbpension – abschalten und geniessen statt einkaufen, kochen und abwaschen: Welch ein Luxus! Das Halbpension-Angebot richtet sich an Familien, die sich in einer Ferienwohnung wohl fühlen, aber dennoch auf den Standard eines Hotels nicht verzichten möchten: Nachtessen und Frühstück werden geliefert, respektive in der Wohnung deponiert. Einige Tage zuvor konnten wir aus feinen Menus auswählen; und haben uns für Thaicurry, Raclette und Spaghetti Bolo entschieden, alles mit Vorspeise und Dessert. Die Kinder haben auf dieser Speisekarte ihren eigenen festen Platz. Und nicht nur dort.
Etwas später in Saas-Fee staunen wir über die kinderfreundliche Vielseitigkeit der beliebten Tourismusdestination. Das autofreie Dorfleben – es fahren nur Elektromobile durch die Strassen und Gassen – wirkt entschleunigend und erspart Eltern den «Achtung, blib ufem Trottoir!»-Stress mit kleinen Kindern. Saas-Fee kann deshalb prima zu Fuss auf einem gemütlichen Spaziergang erkundet werden, alle paar hundert Meter wartet eine Attraktion auf Familien. Ob Spielplätze, Feuerstellen und Minigolfanlagen, die Rodelbobbahn Feeblitz, der Seilpark im Abenteuerwald oder der Märliweg im Lärchenwald, ob der grosse Foxtrail, ein Trottipfad sowie einfachere Wanderungen für kurze Beine, die etwas schneller müde werden – in Saas-Fee ist für alle etwas dabei. Wer grad nicht mehr laufen mag, steigt in den putzigen Allalino-Elektrozug und macht eine Dorfrundfahrt.
Per Standseilbahn geht’s bis auf 3’500 Meter hoch. Der plötzliche Höhenunterschied und die dünnere Luft machen etwas schlottrig, aber die Aussicht ist ja auch atemberaubend.
Gondeln bringen uns noch etwas höher rauf, sogar bis in den Schnee: Die Metro Alpin ab der Gondelstation Felskinn garantiert eine abenteuerliche Fahrt. Per Standseilbahn geht’s mit 48,2% Steigung steil durch das Bergmassiv, bis auf 3’500 Meter hoch – warme Jacken im Rucksack sind da von Vorteil. Oben angelangt, kommen uns zahlreiche Skifahrer und Bergsteigerinnen entgegen, die ihrer Leidenschaft auch im Sommer nachgehen wollen. Der plötzliche Höhenunterschied und die dünnere Luft machen etwas schlottrig, aber die Aussicht ist ja auch atemberaubend. Wir bestaunen den majestätischen Allalingletscher und werden nachdenklich ob der Tatsache, wie stark das ewige Eis in den letzten Jahren weggeschmolzen ist. Wie viele Generationen können einen Gletscher wie diesen wohl noch hautnah erleben?
Für die Kinder ein Highlight ist der Murmeliweg: Mit der Gondel geht’s vom Dorf aus hinauf auf den Spielboden, und kaum ausgestiegen hört man auch schon die Murmeli pfeifen. Die putzigen Bergbewohner haben sich an Besucher*innen gewöhnt und warten besonders am Vormittag darauf, sich ein paar Leckereien zu schnappen. Murmelifutter gibt’s bei Saastal Tourismus, ein Rüebli tuts zur Not aber auch. Infotafeln entlang des Weges informieren zu Lebensraum und Verhalten der Tiere und wer etwas Geduld mitbringt, kann sogar mal ein ganz zutrauliches Murmeli streicheln. Ein schönes Erlebnis für die ganze Familie.
Dank der günstigen Lage herrschen im Saastal auch im Herbst noch milde Temperaturen. Die netten Menschen vom Tourismusbüro versprechen gar 350 Sonnentage im Jahr, und irgendwie glauben wir ihnen. Die Einheimischen wirken tatsächlich alle sehr zufrieden und ausgeglichen, das liegt bestimmt am Vitamin D und der schönen Bergwelt, denken wir uns. Trotzdem fehlt es nicht an möglichen Optionen für Schlechtwetter, die haben wir alle nach diesem verregneten Sommer besonders im Auge: Ob das tolle Kinderprogramm im Pirmin Zurbriggen Hotel, welches in Saas Almagell hinten im Tal liegt, Hallenbad, Wellness, Massage und Schwimmkurse im Aqua Allalin in Saas-Fee, oder der Boulder Keller in Saas Grund; die Region rund um Saas-Fee bietet gleichermassen für alle Wetterlagen sowie für Gross und Klein ganz viel. Mindestens eine Woche Aufenthalt ist wohl ideal – auch, um zwischendurch einfach mal «nichts» zu tun und die ganzen Eindrücke wirken zu lassen. Oder wie die Walliser sagen: Zweenig und zvill, verderpunt alli Spill.
Eine Übersicht über alle Spielplätze ist hier verfügbar.
Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Saastal Tourismus
* Detaillierte Bildcredits: © Saastal Tourismus AG – Titelbild: Kids Days Saas-Fee von Isabelle Krummenacher; Saastal Bergbahnen AG; Stefan Kuerzi