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Das schönste Weihnachtsalbum überhaupt

Banjo-n-Glöckchen: Heute empfiehlt der Plattenonkel alternative Weihnachtsmusik vom grossartigen Sufjan Stevens.
18 Dez 2017
Bild — Yvo Casagrande

 

Als Kind liebte ich die «Zäller Wiehnacht» – so sehr, dass ich den Liedzyklus mit Hits wie «Das isch de Schtärn vo Bethlehem» noch an Ostern gehört und vor mich hin geträllert habe. Als es dann aber später darum ging, diese saisonalen Schlager im versammelten Familienverbund mitzusingen, war es mir doch arg peinlich. Und noch immer bin ich eher am Lip-Sincen, wenn wider Erwarten «Oh du fröhliche» angestimmt wird.

Auch aus diesem Grund plädiere ich für weihnächtliche Hintergrundsmusik statt Zwangssingen. Man muss ja nicht gleich zu «Christmas in the Heart» von Bob Dylan greifen, auf dem der Nobelpreisträger losröhrt wie ein betrunkener Onkel. Unser Hausmittel sind vielmehr die «Songs for Christmas» von Sufjan Stevens. Denn die wirken in ihrer leichten Banjo-n-Glöckchen-Instrumentierung schön naiv und doch angemessen festlich. Und die Stimme des heiligen Sufjan bleibt sowieso unerreicht. Es gibt Klassiker wie «Silent Night», selber geschriebene Songs – und zwischendurch wirds auch mal lauter, aber das kommt ja auch an den besten Festrunden vor. (Wer den krawalligeren Sufjan lieber mag, wählt seine aktuellere Weihnachtskollektion «Silver & Gold».

Vielleicht das schönste Weihnachtsalbum überhaupt ist aber sein Liedzyklus «Carrie & Lowell». Natürlich spielt hier Weihnachten explizit keine Rolle (und man sollte es nun auch nicht im Familienverbund hören, ausser man möchte ein Fest der Tränen veranstalten), aber dieses Meisterwerk erzählt davon, um was es beim Fest eigentlich gehen sollte: Ums Zusammensein, um die Liebe, um Kindheitserinnerungen und auch das Zurückdenken an liebe Personen, die gestorben sind. Kurz, um das Leben.

Kürzlich ist der «Carrie & Lowell»-Anhang «The Greatest Gift» erschienen. Es ist eines der schönsten Geschenke der Saison.

*Benedikt Sartorius lebt als freischaffender Kulturjournalist in Bern, unterhält auf seiner Website einen Musikblog und verschickt wöchentlich den Popletter «Listen Up!». Auf Kleinstadt.ch stellt er in seiner «Plattenonkel»-Reihe einmal pro Monat neue Abenteuer in Sound vor. Hier alle bisherigen Tipps.

Musikblog — www.benediktsartorius.ch/blog
Popletter — Listen Up!

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