Kooperationen
Über uns Newsletter

Ein Liebesbrief ans Kind

Vor dem Weihnachtsexzess liefern wir eine Anleitung für ein schönes immaterielles Geschenk: einen Jahresbrief an unser Kind.
18 Dez 2018
Bild — @veramaria_fotografia

Weihnachten steht vor der Tür. Ich ertappe mich immer wieder dabei, kurz hörbar einzuatmen, wenn sich die Gedanken an die Geschenkberge anbahnen, mit welchen die Kinder von Grosseltern, Gotte, Götti oder Verwandten gerne überhäuft werden. Keine Frage, Schenken ist etwas Wundervolles. Trotzdem macht mir die Materialschlacht zusehends mehr Mühe. Deshalb möchte ich heute ein immaterielles Geschenk vorstellen, das vielleicht nicht dem Kleinkind, aber hoffentlich später dem jungen Erwachsenen Freude, Vertrauen und Mut geben kann – der «Jahresbrief an mein Kind».

Dieser Brief ist eine Art Zusammenfassung dessen, was das Kind erlebt, gesagt und gemeistert hat, wie es gekämpft und sich verändert hat.

Dieser Brief ist eine Art Zusammenfassung dessen, was das Kind erlebt, gesagt und gemeistert hat, wie es gekämpft und sich verändert hat. Sei das im letzten Jahr, den letzten Jahren oder gar seit der Geburt. Ich persönlich schreibe mir durch das Jahr hindurch Notizen, kurze Beschreibungen und Stichworte auf als Erinnerungshilfen, da mir als Mutter von drei kleinen Kindern auch oft Musse und Zeit fehlen, regelmässig jene Situationen zu notieren, die Lachtränen hervorrufen – oder auch die «Nervenwoseidihr»-Momente. Mütter und Väter, aber auch andere nahe Personen können ihre Kinder meist sehr treffend beschreiben. Der Jahresbrief ist eine wunderbare Möglichkeit, dem Kind ein besonderes Geschenk machen, das ihm später einmal helfen kann. Zum Beispiel wenn es sich auf die Suche nach sich selbst macht, vielleicht nach dem Sinn seines Lebens fragt, nach seiner Berufung oder seinem Spezialgebiet. Ich bin überzeugt, dass alles schon da ist, wenn wir Kinder sind. Die besonderen Eigenschaften, die verbogenen Talenten und Gaben. Die folgenden Tipps und Gedanken können helfen beim Verfassen eines solchen Jahresbriefes:

  • Wichtige Erlebnisse Überlege Dir ein paar prägende Ereignisse, die Du mit dem Kind verbindest aus dem vergangenen Jahr oder Jahren. Wähle eins bis zwei aus und denke daran, dass im Brief auch die Gefühle der schreibenden Person Platz haben dürfen, dies kann für das Kind später spannend und wichtig sein. Nicht nur schöne Ereignisse sind es wert, aufgeschrieben zu werden, die schwierigen, gemeisterten Situationen können dem Kind später zeigen, dass es schon früh Bewältigungsstrategien entwickelt hat und wie es damit umgegangen ist.
  • Charakter des Kindes Wie beschreibst Du die typischen Eigenschaften des Kindes, Verhaltensweisen, Muster, die vielleicht sogar schon in den ersten Jahren da waren?
  • Interesse des Kindes Versuche herauszufinden, was sich das Kind immer wieder herauspickt, welche Menschen, Spielsachen, Spiele, Themen? Auch die Bilder und Bücher, welche immer wieder ausgewählt werden, können dem Kind später Hinweise auf seine persönlichen Interessengebiete geben.
  • Fragen des Kindes Welche Fragen stellt das Kind oft? In welche Richtung weisen diese, sind sie technisch, auf die Natur oder eher auf den Mensch bezogen?
  • Spezielle Talente und Begabungen Hier sind nicht die leistungsorientierten Eigenschaften und Stärken gefragt, sondern die, welche man vielleicht nicht beim ersten Hinsehen entdeckt. Versuche bei diesem Punkt, die «Leistungsbrille» abzulegen und die Wesenszüge und Gaben des Kindes zu benennen, die dann auftauchen. Dies sind meist solche, die nicht von der Schule, dem Kindergarten oder von Aussen sofort erwähnt und bewertet werden.

Vor allem die Kleinkinderphase ist eine Zeit, in der es viele Eltern meist kaum schaffen, alles unter einen Hut zu bringen, geschweige denn auch noch all die lustigen und emotionalen Anekdoten aufzuschreiben.

Während der Kindheit passiert unglaublich vieles in unglaublich kurzer Zeit. Vor allem die Kleinkinderphase ist eine Zeitspanne, in der es viele Eltern meist kaum schaffen, alles unter einen Hut zu bringen, geschweige denn auch noch all die schönen, lustigen und emotionalen Anekdoten, die schwierigen Situationen und Phasen und die herzerwärmenden und unersetzlichen Momente in einer Eltern-Kind-Beziehung aufzuschreiben. Mir gefällt die Idee, unsere Kinder mit einem Stapel Erinnerungen in die Erwachsenenwelt starten zu lassen, in Briefform und mit viel Herzwärme gefüllt, die immer wieder hervorgeholt und nachgelesen werden können.

* Die Autorin schreibt Briefe für bücher&briefe. Sie ist in Ausbildung zur Bibliotherapeutin, Mutter von drei Kindern und Lehrerin. bücher&briefe gibt Tipps und hilft dabei, wertvolle Erinnerungen, Gefühle und Ereignisse aufs Papier zu bringen.

P.S.: Das ist eine Reprise. Dieser Beitrag erschien erstmals im November 2017.


Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

21. Dezember 2018
Sarah
Liebe Anna, oh, das ist eine super Idee! Einfach und praktikabel. Ich habe momentan ein Gonfiglas mit Zetteli drin, wo ich solche Sachen reinschmeisse - Ende Jahr wird es geöffnet und hoffentlich gelacht. Das Kinderbuch fehlt allerdings noch #schlechteeltern Merci für deinen Input. (Sarah)
21. Dezember 2018
Anna
ich werde es wohl auch dieses jahr nicht schaffen einen ganzen brief zu schreiben. was aber in meinen lebensrhythmus passt und was ich regelmässig mache: post-its mit sprüchen der kinder / entwicklungsschritten / erlebnissen vollschreiben. sie kleben immer am memo-board und sind sofort zur hand. später klebe ich die post-its direkt ins kinderbuch. bei post-its halte ich mich kurz und schreibe das wichtigste auf. wenigstens das...;-