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«Als Nanny habe ich eine enge Bindung zu den Kindern»

Eine Nanny haben doch nur Reiche. Oder? Überhaupt nicht. Die superflexible Betreuungsform ist im Kommen. Wir haben mit einer Nanny geredet.
Kooperation
11 Feb 2020
Bilder — Ulrike Meutzner

Familienergänzende Kinderbetreuung – da denken viele automatisch an Kindertagesstätten (Kitas). Es gibt aber auch gute, flexible Alternativen, wie schon das Interview mit der Tagesmutter Domenica Lutz zeigte. Neu vermittelt die erfahrene Kita-Betreiberin und Tageseltern-Vermittlerin leolea auch Nannys. Bis auf die Bezeichnung haben die aber wenig zu tun mit dem Bild der Nanny, wie wir es aus dem TV kennen.

Wir haben Corinne Wolf (23), Fachfrau Betreuung Fachrichtung Kinderbetreuung, alle Fragen gestellt, die uns zum Thema Nanny beschäftigten.

Corinne Wolf, wie sieht Ihr Alltag als Nanny aus?
Ich betreue momentan vier Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren, je zwei Kinder in zwei Familien. Jeweils am Mittwoch und Freitag bin ich bei einer Familie und am Donnerstag bei einer weiteren. Bis vor kurzem betreute ich Kinder in 3 Familien. Wir gehen fast täglich raus, ich hole die Kinder – wenn nötig – vom Kindergarten, koche das Mittagessen, spiele mit ihnen; ein ganz normaler Familienalltag im Grunde. Damit ich trotzdem noch einen Einblick ins Kita- Geschehen habe, arbeite ich jeweils dienstags als Springerin in den Kitas von leolea. Dies bedeutet, ich helfe in den Kitas aus, wenn dort kurzfristig Personal – z.Bsp. wegen Krankheit – ausfällt.

Drei verschiedene Arbeitsplätze, das klingt anstrengend!
Ja, zwei Familien wären wohl das Optimum, aber es ist auf jeden Fall sehr abwechslungsreich. Es wird mir nie langweilig (lacht).

Warum sind Sie Nanny geworden?
Ich habe im vergangenen Sommer meine Ausbildung zur Fachfrau Betreuung Kind in einer leolea-Kita abgeschlossen. Alle Lehrabgängerinnen wurden auf das neue Angebot der Nanny-Vermittlung und der damit verbundenen Möglichkeit, als Nanny zu arbeiten, aufmerksam gemacht. Es hat mich sofort angesprochen.

Warum?
Mich hat die Aussicht gereizt, selbständiger arbeiten zu können. Als Nanny betreue ich auch weniger Kinder als in der Kita.

Und ist es so, wie Sie es sich vorgestellt hatten?
Ja, die Bindung zu den Kindern ist sehr eng. Zugleich habe ich einen Einblick in die Familie, das schätze ich.

Wie müssen wir uns das vorstellen, wenn Sie Kinder betreuen? Herrscht am Ende des Tages das gleiche Chaos, wie wenn ich selber einen Tag mit den Kindern daheim verbringe?
(Lacht) Ich bin für die Kinderbetreuung zuständig und übernehme jene Arbeiten, die damit zusammenhängen, das heisst: Ich koche und räume auf, aber ich bin nicht angestellt, um den Haushalt zu erledigen. Der Fokus liegt auf dem Kind. Aber natürlich schaue ich, dass am Ende des Tages nicht die Wohnung auf den Kopf gestellt ist (lacht).

Wenn wir hier an eine Nanny denken, meinen wir jemanden, der bei der Familie wohnt, sie vielleicht sogar in die Ferien begleitet. Ist dieses Bild falsch?
Komplett, ja. Sie können es sich so vorstellen, als würde die Betreuerin von der Kita Ihrer Kinder einfach am Morgen zu Ihnen kommen und am Abend wieder heimgehen. Das ist ein Vorteil, weil die Kinder in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Die Eltern können auch zur Arbeit gehen, wenn das Kind mal krank ist. Die Kinder können sogar eigene Hobbys verfolgen, an Geburtstagspartys gehen, ich hole und bringe sie. Übernachtungen und Wochenenden waren bisher noch nie ein Thema, wären aber grundsätzlich auch möglich. Ferien könnte ich mir nicht so gut vorstellen und sind auch nicht vorgesehen.

Wie läuft das mit dem Essen? Kochen Sie nach Ihren eigenen Vorstellungen, oder machen die Familien Ihnen Vorgaben?
Beides ist möglich. Bei einer Familie gibt es einen Menüplan, bei der anderen entscheide ich, was ich koche. Das klärt man auch im Vorgespräch mit den Eltern ab.

Wie läuft denn das Kennenlernen ab?
Zuerst gibt es ein unverbindliches Kennenlerngespräch bei der Familie daheim, damit ich auch gleich mit den Kindern interagieren kann. Danach überlegen beide Seiten, ob es passt. Wenn ja, kommt als nächstes das Vertragsgespräch, bei dem die wichtigsten Punkte besprochen und geklärt werden. Anschliessend folgt die Eingewöhnung, sie dauert etwa zwei Wochen und beginnt mal mit ein, zwei Stunden. Der Prozess ist ähnlich wie bei der Kita, einfach das Umfeld ist anders. Es lohnt sich, dafür genug Zeit aufzuwenden.

Ist es nicht gewöhnungsbedürftig, in eine fremde Familie hineinzukommen? Das sind ja auch sehr intime Einblicke?
Anfangs ist es natürlich für alle Beteiligten gewöhnungsbedürftig. Ich empfinde das aber nicht als negativ, sondern eher als schön, die Eltern schenken mir viel Vertrauen.

Wie viel verdienen Sie?
Ich bin bei leolea angestellt, die Eltern bezahlen einen Stundenansatz von 35 Franken brutto bei zwei Kindern. Ich verdiene den gleichen Stundenlohn, den eine Springerin in der Kita erhalten würde, die frisch aus der Ausbildung kommt.

Finden Sie Ihren Lohn angemessen?
(Überlegt) Für so direkt nach der Ausbildung finde ich es angemessen, ja. Die Situation stimmt momentan für mich, was aber nicht heissen muss, dass ich das für immer so beibehalte.

Haben Sie Möglichkeiten zum Austausch?
Erste Ansprechpersonen sind natürlich die Eltern. Wenn ich Fragen habe, kann ich mich aber auch immer an leolea wenden. Ich kenne zudem eine andere Nanny und wir tauschen uns untereinander aus. Manche Eltern wünschen sich ausserdem, dass die Kinder mit anderen Kindern in Berührung kommen, damit die Kinder auch lernen, Konflikte mit anderen auszutragen. Das versuche ich umzusetzen, indem ich mich mit der befreundeten Nanny treffe oder auf Spielplätze gehe.

Welche Situationen im Alltag als Nanny sind für Sie besonders schwierig?
In der Anfangszeit war es für mich herausfordernd, den Kindern meine eigenen Grenzen aufzuzeigen und so aufzutreten, dass sie mich als Bezugsperson wahrnehmen. In der Ausbildung habe ich beispielsweise gelernt, dass die Kinder der Betreuungsperson beim Überqueren der Strasse die Hand geben sollen. Eines der Kinder, das ich betreue, wollte das um keinen Preis. Es ist auch schon etwas grösser, da war ich plötzlich unsicher, weil ich zuvor vor allem mit Kindern im Vorschulalter gearbeitet hatte. Da haben wir im Gespräch mit den Eltern eine gute Lösung gefunden: Das Kind darf alleine laufen, bleibt aber auf meiner Höhe. Das klappt gut.

Professionelle Betreuung zu Hause

leolea vermittelt seit 2018 Nannys. Das neue Angebot stösst auf viel Interesse, auch die Nachfrage von Eltern sei gross. Der Vorteil ist: Die Nanny kommt zur Familie nach Hause, die Kinder können in ihrem gewohnten Umfeld betreut werden. Die Kosten betragen bei zwei Kindern 35 Franken pro Stunde (Tarifübersicht hier). Für die Betreuung durch Nannys werden in Bern keine Subventionen ausgerichtet. Die Nannys werden bei leolea angestellt und können dadurch auch am umfassenden Weiterbildungsprogramm teilnehmen. Mit den Eltern wird eine Betreuungsvereinbarung abgeschlossen. leolea vermittelt aktuell nur pädagogisch ausgebildete Fachpersonen (das ist auch ein grosser Unterschied zum Au-Pair).
Das Angebot bietet Mitarbeitenden von leolea zudem eine Alternative zur Betreuungsarbeit in der Kita. Insbesondere für Lernende nach der Ausbildung kann es eine interessante Erfahrung oder Ergänzung sein. Das hat guten Anklang gefunden bei den Lehrabgängerinnen, die Kombination von 2-3 Tagen in einer Familie und der Arbeit als Springerin in einer Kita zum Beispiel sei spannend für viele.
www.leolea.ch/places/nanny

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit leolea.

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