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Die Liebe und Not von Geschwisterkindern

Wie ist es, wenn die Schwester, der Bruder eine chronische Krankheit oder Behinderung hat? Ein neuer Film zeigt es eindrücklich.
8 Mai 2019
Bild — Luzius Wespe (Voltafilm)

«Wir hatten keine Zeit am Anfang, sie war einfach da, aber entschuldige, – völlig überflüssig zu dieser Zeit.» Die Aussage eines Vaters über seine gesunde zweite Tochter im Film «Geschwisterkinder» klingt erst einmal sehr hart. Aber wer sich vor Augen führt, was ein Kind mit einer Behinderung seinen Eltern alles abverlangt, erhält eine Ahnung davon, wie schwierig es für eine Familie wird, gleichzeitig einem gesunden Geschwisterkind gerecht zu werden. Eine Mutter im eindrücklichen Dokumentarfilm über vier betroffene Geschwister spricht vom schlechten Gewissen, welches sie ihrem gesunden Kind gegenüber manchmal hat. Die porträtierten Geschwisterkinder erzählen davon, dass sie manchmal auf Sachen verzichten müssen, weil die Schwester oder der Bruder viel Zeit und Aufmerksamkeit braucht. Aber die Filmszenen zeigen auch die riesige Liebe der Geschwister und die Fürsorge füreinander. Dies ist der besondere Verdienst des 30-minütigen Dokumentarfilms: Er zeigt, was die Geschwisterkinder alles vollbringen. Den täglichen Spagat zwischen Rücksichtnahme, Geschwisterliebe und den eigenen Gefühlen und Bedürfnissen.


Der Dok-Film in voller Länge (30 Minuten). © Voltafilm

In der Schweiz wachsen schätzungsweise 260’000 Kinder mit einem von einer chronischen Krankheit oder Behinderung betroffenen Geschwister auf. Man nennt diese Kinder «Geschwisterkinder». Obwohl sich Geschwisterkinder in einer Ausnahmesituation befinden, haben sie die gleichen Bedürfnisse wie alle Kinder: Sie brauchen Sicherheit, liebende, verlässliche und verfügbare Bezugspersonen, Möglichkeiten, sich auszudrücken und gehört zu werden, und Zeit für Hobbys und Freundschaften. All das findet manchmal im von Krankheit oder Behinderung geprägten Alltag nicht die nötige Beachtung – und die Kinder bleiben mit ihren Gefühlen und Sorgen allein.

Nicht alle Geschwisterkinder leiden unter der Situation, aber auch nicht alle bewältigen die Belastungen problemlos. Überdauernde und erhebliche Einschränkungen können Folgen haben – auch wenn diese oft erst später sichtbar werden.

Was können Eltern tun?

  • den Kindern vorleben, wie man sich vor Überlastung schützt
  • Hilfe von aussen annehmen
  • «stressfreie Inseln» im Alltag schaffen

Was können Fachpersonen tun?

  • das direkte Gespräch mit dem Geschwisterkind suchen
  • Unterstützung oder Angebote vermitteln für das Geschwisterkind
  • den Blick auf die ganze Familie richten
  • die Eltern dazu ermutigen bei drohender Überlastung von Hilfsangeboten Gebrauch zu machen

Das Projekt Geschwisterkinder hat das Ziel, die psychische Gesundheit und die gesunde Entwicklung der Geschwisterkinder zu fördern. Es will mit dem 30-minütigen Dokumentarfilm, einer Webseite sowie einer Informationsbroschüre auf die besondere Situation der Geschwisterkinder aufmerksam machen, für die Anliegen von Geschwisterkindern sensibilisieren und ihnen, aber auch ihren Familien eine Stimme geben. Alle Kommunikationsmittel stehen allen Interessierten kostenlos zur Verfügung. Unter www.geschwister-kinder.ch finden Geschwisterkinder, Eltern und Fachpersonen Angebote, Literatur und Filme zum Thema und viele nützliche Hinweise, wo und wie man sich vernetzen, beraten und entlasten lassen kann.

Nächste Filmvorführung: Montag, 13. Mai 2019, 15.30 Uhr, Kino Capitol in Olten. Der Verein Raum für Geschwister VRG Schweiz und die PH Bern laden ein zur Filmveranstaltung mit anschliessendem Gespräch.

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