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Mehlwürmer im Bananenbrei

Designerin Andrea Staudacher zeigt, wie vielseitig Insekten in der Küche genutzt werden können. Tochter Luz knabbert mit.
23 Feb 2017
Bilder — Fabian Unternährer
www.fu-photo.ch

Seit unserem letzten Gespräch auf beruflicher Ebene sind gerade mal zweieinhalb Jahre vergangen. Damals steckte Andrea Staudacher mit ihrer Ausstellung «Mmh or Hmm» mitten in einer intensiven Auseinandersetzung zum Umgang der Zivilisation mit Tierhaltung, Fleischproduktion und -konsum und gangbaren Alternativen dazu. «Mit der Weltbevölkerung nimmt auch der Fleischkonsum zu. Für einen Drittel der Menschen sind Insekten ein wichtiger Bestandteil ihrer täglichen Proteinzufuhr. Diesen Fakt fand ich sehr spannend. Zudem hat mich die Ästhetik der Insekten schon während meiner Ausbildung fasziniert», erzählt Andrea Staudacher, die in Bern und Zürich Visuelle Kommunikation studiert hat. Die Tierchen zu essen jedoch, das war eine andere Angelegenheit: «Den Ekel musste ich mir zu Beginn wegtrainieren, klar.»

Den richtigen Riecher

In der Zwischenzeit ist die 28-jährige Ereignisdesignerin aus Bern durchgestartet: Ihre eigene TV-Sendung «Andrea’s Future Food Lab», ihre gleichnamige Firma, ein Kochbuch, Referate und öffentliche Auftritte, wie beispielsweise anlässlich der TEDxBern, Kochkurse, Events und zahlreiche Medienberichte gehören mittlerweile zu ihrem Portfolio. Im Frühling veranstaltet sie im Löscher Kochkurse zum Thema essbare Insekten; ab Mai dieses Jahres sind die kleinen Proteinlieferanten in der Schweiz nämlich offiziell als Lebensmittel zugelassen. Und vom 19. Mai bis zum 8. Oktober 2017 ist ein Werk von ihr gar Teil der themenbezogenen Gruppenausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg. «Es scheint, dass ich mit dem Thema Skyfood einen Nerv der Zeit getroffen habe», meint sie. Ja, definitiv.

Kleine Zweibeiner und noch kleinere Sechsbeiner

Wir trinken Kaffee, essen Gipfeli und plaudern über dies und jenes, während unsere Töchter die weichen Unebenheiten der farbigen Patchwork-Decke erkunden. In den ohnehin schon aufregenden letzten Jahren war die Geburt ihrer Tochter Luz natürlich das grösste aller Ereignisse. «Unglaublich, so ein Kind, nicht?», bringt es die junge Mutter auf den Punkt. Wie recht sie doch hat. Inzwischen pendelt Andrea gekonnt zwischen Kinderzimmer und Laptop, Familienleben und Future Food Events und ist dankbar, ihre Arbeitszeit flexibel gestalten zu können. «Mein Freund und ich sind beide selbständig, das vereinfacht vieles. Und ehrlich gesagt haben wir keinen fixen Zeitplan daheim, es geht auch so wunderbar.»

Insekten in aller Munde

Und was kommt auf den Familientisch? Mehlwürmer und Heuschrecken oder doch lieber Spaghetti Bolo? «Wir essen am liebsten saisonale und biologische Produkte, hie und da auch Fleisch. Da muss die Qualität ebenfalls stimmen.» Ausserdem solle Luz unbedingt mit einem offenen Geist dem Essen gegenüber aufwachsen und alles probieren – auch Insekten, denn der Ekel davor bilde sich erst später, sagt die junge Mutter. «Nichts ist tabu, nur so kann Luz ihre Vorlieben entdecken und Geschmacksknospen bilden. Jobbedingt esse ich regelmässig Insekten, aber zwischendurch bereite ich sie auch daheim zu – ich habe ja eine Tiefkühltruhe voll.» Für Luz gibt’s dann zum Beispiel Bananenbrei mit einer Handvoll vermixten Mehlwürmern, die liefern nämlich viele wertvolle Omega-3-Fettsäuren und Proteine.

Wer Berührungsängste abbauen und Insekten als Lebensmittel näher kommen will, kann dies entweder an einem Event von Andrea Staudacher tun oder hier eine Packung Mehlwürmer bestellen. Auspacken, waschen, vermixt dem Brei beimischen oder in Reinform mit Öl und Chili anbraten und über den Salat streuen – fertig!

 Am Samstag, 25.2. frittiert Andrea Staudacher Heuschrecken im Hauptsitz im PROGR Bern.

*Rea Wittwer, freie Journalistin – www.reawittwer.ch

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