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Naturerlebnisse mit Stadtkindern

Wie Kinder zu Naturerlebnissen kommen, ohne auf einen Bauernhof ziehen zu müssen. Teil 1: Natur kennenlernen und beobachten.
16 Mrz 2017
Bild — Yvo Casagrande

Aufenthalte in der freien Natur: Wunsch vs. Wirklichkeit

Ich komme vom Lande und habe drei Stadtkinder. Sie sind in der Stadt geboren und aufgewachsen. Wir haben keinen eigenen Garten und kein Auto, welches uns rasch in einen Wald bringen könnte. Wenn ich zusammenzähle, wieviel Zeit sie in Kita/Kindergarten/Schule, auf Spielplätzen und in Turnhallen, in Museen, in Badis oder Hallenbädern oder einfach daheim im Wohnzimmer verbringen, verblasst die Anzahl Stunden in der freien Natur daneben. Und das, obwohl ich es als wichtig erachte, dass sie sich ein mehr als oberflächliches Verständnis für die Natur aneignen, sich nicht nur in von Menschenhand gestalteten Welten aufhalten und durch diese Erfahrungen später hoffentlich auch mal Sorge tragen zur Umwelt.

Woran meine guten Vorsätze scheitern? Die kleinen Geschwister sind (noch) nicht wohl im Wald, die Anreise und das Montieren der entsprechenden Ausrüstung dauert mit allen Dreien ewig, auf dem Spielplatz hats Gspändli (und ich habe dementsprechend weniger zu tun), zuhause kann ich nebenbei noch die Wäsche erledigen und zudem bin ich selber kein Fan von nasskalten Aufenthalten auf schlammigem Untergrund.

Soviel zur Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Da mir das Natur-Ding aber wirklich ein Anliegen ist und vorallem unser ältester Sohn auch grosses Interesse am Thema zeigt, habe ich in den vergangenen Jahren einiges ausprobiert, um diesem Dilemma zu entfliehen. In der sechsteiligen Serie Naturerlebnisse für (Stadt)kinder sind meine Erkenntnisse und Tipps gesammelt, wie wir dem Ziel «Das Kind sollte in die Natur» oder alternativ auch «Die Natur sollte zum Kind» ohne riesigen Aufwand etwas näher kommen.

Natur kennenlernen und beobachten

Manchmal liegt das Gute ja so nah, denn glücklicherweise sind unsere Städte auch voller Natur. Die Vielfalt an Bäumen, Sträuchern, Pflanzen und auch Tieren an Strassenrändern, in Parks und in unseren Innenhöfen ist riesig – nutzen wir dieses Potenzial! Damit haben wir begonnen:

  • Durch die Stadt streifen und genau hinschauen
    Wir nehmen dazu ab und zu ein Bestimmungsbuch mit. Aktuell sind wir sehr Fan des «Naturführer für Kinder – In der Stadt» (Omnibus-Verlag, leider vergriffen und nur noch antiquarisch erhältlich), aber auch «Was blüht denn da?» passt gut ab etwa 4 Jahren. Dann versuchen wir, ein paar Baumarten auf dem Spielplatz zu bestimmen, finden heraus, wie die gelben Blumen heissen, die beim Nachbarn im Garten wachsen und welche Käfer das sind, die beim Baum auf dem Schulhausplatz zu Hunderten wuseln. Wir erforschen den Unterschied zwischen den Marroni vom Marronimann und den Kastanien, die wir in den Tierpark bringen. Seitdem das Kind weiss, dass Asseln eigentlich zur Klasse der Krebse gehören, mit Kiemen atmen und deshalb auf feuchte Aufenthaltsorte angewiesen sind, heisst es beispielsweise nie mehr «wäääh, so gruusig», wenn eine unter einem Stamm hervorkreucht.
  • Regelmässig die gleiche Stelle aufsuchen
    Schön ist auch, mit dem Kind regelmässig an der gleichen Stelle (Teich, Brache, Waldrand etc.) zu beobachten, wie sich dort die Landschaft, die Tiere und Pflanzen im Laufe der Jahreszeiten verändern. Bei «unserem» Teich staunen wir jeweils über die Wasserstandsschwankungen, untersuchen im Winter die Dicke der Eisschicht und sind auch schon bis zu den Knöcheln im Schlamm versunken … Mehr zu solch naturnahen Orten in der Stadt Bern folgt im Teil 5 dieser Serie.
  • Institutionen mit Bildungscharakter besuchen
    Und dort auf die (oft zwar erst auf den zweiten Blick spannende) einheimische Flora und Fauna fokussieren (in Bern: Botanischer Garten, Rosengarten, Orangerie Elfenau, Tierpark, Naturhistorisches Museum, Infozentrum Eichholz). Im BOGA Bern gibt es beispielsweise einen wunderbaren Duftparcours, im Infozentrum Eichholz startet im Mai eine Ausstellung über Fledermäuse. Mehr Infos zu speziellen Freizeitangeboten mit Naturbezug folgen im Teil 4.
  • Heft mit Naturbeobachtungen führen
    Damit hat unser Sohn gerade erst begonnen, es eignet sich zum Blätter und Blumen einkleben (oder tote Heuschrecken), Zeichnen, Beobachtungen festhalten, Messwerte notieren etc. Mögliche Fragen: Wann haben wir das erste Schneeglöcklein des Jahres erspäht? Wie hoch ist der Wasserstand der Aare am Geburtstag aller Familienmitglieder? Oder eine Woche lang jeden Tag zur gleichen Zeit aus dem Fenster gucken und notieren, was an Wetter, Tieren und Pflanzen zu beobachten ist …
  • Ausrüstung mitnehmen
    Unseren Kindern extrem wichtig: die zum Vorhaben passenden Gadgets. Auf den Streifzügen oft dabei sind ein kleiner Feldstecher, eine Lupe (beides bestens z.B. in Brockis erhältlich), das Sackmesser, oder auch das erwähnte Notizheft. In der Zeit, in welcher unser Sohn versucht, mit der Lupe ein Feuer zu machen, kann ich dann Pause machen mich um die anderen Kinder kümmern … Apropos Feuer: Mit Zundhölzern im Hosensack ist es möglich, bereits verloren geglaubte Waldausflüge wieder zum Guten zu wenden.

Bild — Eva Hefti

Was sind eure Erfahrungen mit Naturbeobachtungen? Interessieren sich eure Kids dafür? Habt ihr Buchempfehlungen oder Ähnliches?

Dies war der ersteTeil unserer vierteiligen Serie zum Thema Naturerlebnisse. Alle vier Beiträge, die euch dazu inspirieren können, eurem Kind auch in der Stadt die Natur näherzubringen, findet ihr hier.

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