Kontakt
Über uns Newsletter

So lernen Kinder mit Messern zu schneiden

Euch bricht der Angstschweiss aus, wenn euer Kind ein Messer anfasst? Wir schaffen Abhilfe. Mit einem überraschenden Tipp für die Eltern.
Kooperation
17 Aug 2022
Bilder — Tabea Reusser

Kinder wollen helfen, Kinder wollen mitarbeiten. Das ist manchmal praktisch – und manchmal erschwert es die Hausarbeit, sind wir doch eh schon immer etwas unter Zeitdruck. Dabei wäre es längerfristig für alle ein Gewinn, wenn wir sie stärker einbeziehen würden. Das hat die Erziehungsexpertin Michaeleen Doucleff bei ihren Forschungsreisen festgestellt. Sie nennt als Beispiel das Wäschefalten: «Westliche Eltern sagten, es nerve sie, wenn das Kind die gefaltete Wäsche auf den Boden wirft, und sie würden dem Kind sagen, es solle aufhören. Maya-Eltern sagen auch, dass es sie nerve, aber sie werten das Herumwerfen als Interesse und beteiligen das Kind, selbst wenn es erst zwei Jahre alt ist und keinen produktiven Beitrag leisten kann. Sie haben ein sehr prosoziales Bild des Kindes.» (Aus einem «Magazin»-Interview mit der Autorin.)

Auch bei der Küchenarbeit wollen Kinder gerne dabeisein. Dabei reagieren viele Eltern aber erst einmal sehr ängstlich und besorgt, wenn ein Kind erstmals ein Messer in der Hand hat, oder erklären Messer von vornherein einfach für «gefährlich!» Aber so lernen Kindern den sicheren Umgang damit nicht. Messer und Scheren werden viel eher zu etwas besonders Spannendem, und die Gefahr, dass ein Kind insgeheim ein Messer schnappt oder etwas zerschneidet, steigt eher an. Besser also: Mitmachen lassen! Einbeziehen! Und sich Zeit nehmen, dem Kind die wichtigsten Regeln dafür beizubringen.

Folgende Tipps helfen beim Schneidenlernen – und machen sie mit etwas Übung zu motivierten und zufriedenen kleinen Küchenhelfer*innen!

  • Scharfe Klinge. Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass wir Kindern einfach ein altes, stumpfes Messer geben können, um das Schneiden zu lernen. Das Gegenteil ist der Fall. Mit stumpfen Messern werden die Kinder mit mehr Kraft arbeiten müssen und so eher abrutschen. Die Gefahr einer Verletzung ist dabei grösser.
  • Das richtige Messer. Zu Beginn am besten mit einem glatten Gemüsemesser üben (z.B. einem Krokimesser, das vorne eine abgerundete Spitze hat). Für Tomaten ein Zackenmesser. Das richtige Messer für das jeweilige Lebensmittel zu verwenden, reduziert das Verletzungsrisiko weiter.
  • Sicherer Stand. Die Arbeitsfläche sollte dem Kind – ebenso wie bei uns! – bis zum Bauch reichen, und es muss sicher stehen, ohne Gefahr, irgendwo abzurutschen. Also eher vielleicht nicht in Socken auf dem Tripptrapp, sondern in Finken auf dem Learning Tower oder einem anderen, stabilen Hocker oder einer Trittleiter. Beim Schnitzen im Wald gilt analog «sitze bim Schnitze».
  • Gute Schneidunterlage. Ein gutes Schneidebrett, das nicht verrutschen kann, ist eine wichtige Basis fürs sichere Schneiden (und macht, dass die Messer länger scharf bleiben). Ein Holzbrett oder ein weiches Kunststoffbrett eignen sich am besten.
  • Mit beiden Händen arbeiten. Eine Hand hält das Gemüse, die andere das Messer. Und damit sind die Kinderhände gemeint: Nicht reinlangen, liebe Eltern!
  • Ziehen und stossen. Beim Schneiden immer leicht ziehen und stossen – so kann das Messer seine Arbeit tun. Ruhig und kontrolliert, also nicht hacken, hauen oder säbeln …
  • Der Tunnelgriff. Eine gute Option fürs Schneiden am Anfang: Mit einer Hand ein Tunnel formen und so das zu schneidende Obst oder Gemüse (oder die Knete …) festhalten. Mit der dominanten Hand das Messer halten und so durch den Tunnel schneiden.
  • Das Wiegemesser. Kräuter schneiden geht super mit einem Wiegemesser, und die gibts im Brockenhaus (z.B. Bärner Brocki) zuhauf.
  • Die Klaue (für Fortgeschrittene): Wer schon mal einer Spitzenköchin beim Schneiden zugesehen hat, weiss, dass diese ihre Fingerspitzen schützt. Und zwar, indem sie jene Hand, die das zu schneidende Gemüse hält, zu einer Art Klaue formt – zuvorderst sind dann nicht mehr die Fingerspitzen, sondern die Fingergelenke. Daran stösst das Messer seitlich an – und so minimiert man das Verletzungsrisiko stark. Funktioniert zum Beispiel super bei büschelweisen Kräutern oder auch bei Zwiebeln (PS: Taucherbrille hilft gegen die Tränen). Und mit der Zeit geht das Schneiden dann auch immer schneller.
  • Machen lassen. Unser Spezialtipp für Eltern und Betreuende: «Einfach nicht hinschauen», sagte meine Schwester, Profiköchin mit eigenem Restaurant, als ich sie um Tipps zum Schneiden für Kinder bat. Kinder sind kompetenter, als wir oft meinen. Und wenn wir nicht ständig aus Angst an ihnen herumkorrigieren, bleibt die Freude am Mithelfen erhalten und das Risiko, dass etwas passiert, ist auch kleiner.

Zuletzt noch eigentlich etwas vom ersten, was wir unsere Kinder im Umgang mit spitzen und scharfen Gegenständen lehren sollten: Wie laufe ich damit herum? Antwort: Gehend, nie rennend. Die Spitze nach unten, die Klinge nach hinten. Gilt auch für Scheren. Und wenn sie am liebsten wie mit einem Schwert wild vor sich herumfuchteln … ein Holzschwert in die Hand drücken.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der Klötzli Messerschmiede in der Berner Altstadt, wo ihr auch das Krokimesser von den Bildern kaufen könnt – und sogar eure alten Wiegemesser aus der Brocki geschliffen werden.

Geschenk für Kleinstadt-Leser*innen: Beim Kauf eines Krokimessers  erhaltet ihr ein Schneidebrett geschenkt! Im Laden einfach diesen Artikel auf dem Handy vorzeigen – bei der Online-Bestellung bei den Bemerkungen das Stichwort «Kleinstadt» angeben. Die Aktion gilt bis 16. September 2022 oder solange Vorrat.

Kommentar schreiben

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.