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Wann anfangen mit einem Instrument?

11 Fragen zum Thema Kinder und Musik – beantwortet von Saara Vainio, die sich am Konsi Bern für die «Musik von Anfang an» einsetzt.
Kooperation
29 Mai 2020
Bilder — Unsplash, Pixabay

Saara Vainio, wann ist der richtige Zeitpunkt, um mit einem Instrument und mit Musikunterricht zu beginnen?
Das Alter spielt eigentlich keine Rolle. Im Eltern-Kind-Singen werden bereits Babys sanft in die Welt der Musik und des Rhythmus eingeführt. Kleinkinder können Gruppenkurse wie Musik und Bewegung, Musik und Malen, Bambusflöte, Ukulele oder Palindrum (Schlagzeug) besuchen. Beim Einzelunterricht gilt generell: Ein Kind sollte motiviert sein, ein Instrument zu lernen. Das kann bereits mit 5 Jahren der Fall sein oder sich auch später einstellen.

Was sind gute Einsteigerinstrumente?
Die Bambusflöte zum Beispiel, weil die Kinder nicht nur musikalisch, sondern auch handwerklich geschult werden. Sie bauen nämlich ihr eigenes Instrument und lernen anschliessend darauf zu spielen. Ein Renner bei uns am Konsi ist derzeit die Ukulele, eine Art Mini-Gitarre. Das Palindrum, ein Schlaginstrument, eignet sich neben der Frühperkussion besonders gut für den Einstieg in Rhythmusinstrumente. Etwa für Kinder, die eigentlich Schlagzeug spielen wollen, dafür aber noch zu jung sind. Man kann auch mit vielen anderen Instrumenten bereits im Alter von 5 bis 7 Jahren beginnen. So gibt es etwa für Tuba und Kontrabass sogenannte Kinderinstrumente.

Gibt es neben den Klassikern andere, weniger bekannte Instrumente, die Kindern Freude bereiten und an die man zu wenig denkt?
Da gibt es einige Instrumente: die Gambe, ein Streichinstrument, das man zwischen die Knie klemmt, zum Beispiel. Attraktive Instrumente sind auch Schwyzerörgeli oder Akkordeon. Und an Blasinstrumente wie Trompete oder Oboe denkt man aus unserer Erfahrung ebenfalls zu selten. In unseren Schnupperlektionen* kann man alles ausprobieren.

Wie finden wir die richtige Musiklehrerin oder den richtigen Musiklehrer?
Einerseits muss die Lehrkraft über eine fundierte pädagogische Ausbildung verfügen und Freude an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben. Ideenreichtum, Flexibilität, positive Energie und eine pädagogische Vision sind zusätzliche wertvolle Eigenschaften, die dazu beitragen, dass der Schüler oder die Schülerin den Unterricht als bereichernd erlebt. Andererseits ist es unsere Aufgabe, im Gespräch mit den Eltern und Kindern herauszufinden, wo die Bedürfnisse und Eigenheiten des Kindes liegen, um so die beste Lehrperson zu finden.

Gruppe oder Einzelunterricht?
Grundsätzlich sollte jedes Kind, das ein Instrument erlernt, möglichst bald auch mit anderen Kindern zusammen musizieren. Im Vorschulalter finden die meisten Angebote in Kleingruppen statt. Meistens folgt bereits nach einem Semester der Einzelunterricht, weil man so besser auf die Bedürfnisse des Kinds eingehen kann.

«Man sollte vermeiden, eigene Wünsche auf das Kind zu projizieren. Schwierig wird es auch, wenn ein Kind zu viele Hobbys und damit keine Zeit fürs Musizieren zuhause hat.»

Was sind typische Fehler oder Stolpersteine, wenn es darum geht, dass das Kind ein Instrument erlernt?
Man sollte vermeiden, eigene Wünsche auf das Kind zu projizieren. Schwierig wird es auch, wenn ein Kind zu viele Hobbys und damit keine Zeit fürs Musizieren zuhause hat. Die Freude am Instrument stellt sich dauerhaft nur ein, wenn man auch bereit ist, etwas dafür zu tun. Dabei kommt es weniger auf die Menge als auf die Regelmässigkeit an.

Wie kann man Kinder ans Musizieren heranführen, wenn man selber unmusikalisch ist?
Kein Mensch ist unmusikalisch! Und seien Sie mutig! Besuchen Sie doch einfach einmal einen Eltern-Kind-Kurs. Dort lernen Sie einfache Lieder, die Sie dann zuhause mit Ihren Liebsten singen können. Gehen Sie zusammen mit Ihren Kindern in ein Konzert. Es gibt in Bern unzählige attraktive Veranstaltungen für Kinder, angefangen bei den Sitzkissenkonzerten des Berner Symphonieorchesters über die Familienkonzerte im Progr bis zu den Musizierstunden und Ensemblekonzerten am Konsibern.

«Kein Mensch ist unmusikalisch! Seien Sie mutig! Besuchen Sie einen Eltern-Kind-Kurs. Oder gehen Sie zusammen mit Ihren Kindern in ein Konzert.»

Was, wenn das Kind gar nicht will, man als Eltern es aber als Teil der Grundbildung ansieht?
Das ist schon schwieriger. Wenn man ein Instrument lernen möchte, ist die Eigenmotivation unverzichtbar. Es gibt aber immer Möglichkeiten, die Lust zu wecken. Sie können Ihr Kind zum Beispiel für das Instrumentenkarussell anmelden. An neun Terminen, immer samstags, lernen Kinder da eine ganze Palette von Instrumenten kennen. Oft haben Kinder danach ihr Wunschinstrument gefunden. Wenn nicht, hilft immer auch Geduld. Je nach Entwicklung kann das etwas Zeit brauchen. Im Zweifelsfall sollte mal lieber noch etwas warten.

Wie umgehen damit, wenn ein Kind zwar Stunden nimmt, aber nicht üben will?
Versuchen Sie möglichst von Anfang an das Musizieren als Ritual in den Tagesablauf einzubauen. Nehmen Sie Anteil an dem, was Ihr Kind macht. Loben Sie es, wenn es Ihnen etwas vorspielt. Und dennoch kann es immer wieder mal passieren, dass die Motivation nachlässt. Als Erstes sprechen Sie dann mit der Lehrperson. Oft genügt es, die Stücke auszutauschen und noch mehr auf die Wünsche des Kindes einzugehen. Manchmal stimmt aber auch die Chemie nicht zwischen Lehrperson und Kind. In diesem Fall hilft die Schulleitung gerne mit individuellen Lösungen weiter.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, um aufzuhören, oder anders gefragt: Wie viel Druck und Durchhalteparolen braucht es, wie viel ist zu viel? Ich habe selber mehr schlecht als recht ein wenig Klavier gespielt, meine Eltern haben mich nie zum «Durchziehen» gezwungen – im Nachhinein wäre ich froh, sie hätten etwas mehr Druck aufgesetzt.
Druck ist das falsche Wort. Aber etwas Disziplin gehört schon dazu, will man ein Instrument erlernen. Ohne regelmässiges Spielen wird es nämlich nicht klappen. Bei jedem Kind gibt es Krisen in der Entwicklung. Da hilft das Gespräch mit der Lehrperson, aber auch Einfühlungsvermögen und Toleranz. Sollte das aber länger anhalten, muss man reagieren. Manchmal hat sich schlicht auch der Geschmack geändert. Dann hilft vielleicht ein Instrumentenwechsel. Sich dauerhaft zu quälen, ist jedenfalls keine Option.

«Etwas Disziplin gehört schon dazu, will man ein Instrument erlernen. Ohne regelmässiges Spielen wird es nämlich nicht klappen.»

Was, wenn mein Kind ein teures Instrument spielen will, ich mir aber keine Harfe oder kein Cello leisten kann?
Es gibt fast immer eine Lösung. Die meisten Instrumente kann man kostengünstig mieten. Umgekehrt gibt es auch Eltern, die sich den Musikunterricht für Ihre Kinder nicht leisten können. Auch hierfür gibt es dank Stipendienmöglichkeiten eine Lösung.

* Gratis schnuppern

Weil der traditionelle Tag der offenen Tür im Frühjahr nicht stattfinden konnte, bietet Konsibern per sofort Schnupperlektionen à 10 Minuten für alle 40 Instrumente an. Man kann sich auch eine Unterrichtslektion per Livestream anschauen oder ein Schnupperabo buchen. Anmelden kann man sich über konsibern.ch/schnuppern, per Mail oder direkt unter 031 326 53 53.
Das nächste Instrumentenkarussell, bei dem man jeweils am Samstag eine ganze Palette von Instrumenten kennenlernen kann, startet im August. Bald wird die Anmeldung hier aufgeschaltet.
Kooperation: Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem Konsi Bern.

Saara Vainio

Saara Vainio stammt aus einer Musikerfamilie und spielte als Kind Geige und Klavier. Schon früh entdeckte sie ihre grosse Freude am Singen und studierte deshalb in Basel Gesang, um vor allem als Konzertsängerin und Gesangslehrerin zu arbeiten. Heute leitet sie am Konsi Bern die Fachbereiche Gesang, Harfe und Musik von Anfang an.

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