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Ich wäre ja gern umweltfreundlicher, aber …

Windelberge, Food Waste, Plastikspielzeug: Mit Kindern wird es plötzlich ungemein schwieriger, ein ökologisches Leben zu führen.
16 Mrz 2018
Bild — Karin Hänni**

Ich fliege nie, fahre Elektrovelo und manchmal ÖV, ernähre mich biologisch und vegetarisch, wobei das meiste im eigenen Garten gewachsen ist, die Betreuung der zwei Kinder teilen mein Mann und ich uns auf, Konsumgütern verfalle ich so gut wie nie.

So.

Das ist die Wunschvorstellung. Die Realität sieht etwas anders aus.

Das fängt schon an beim Auto, das wir zwar nicht ständig benutzen, aber besitzen. Das geht weiter mit den Flugreisen, die wir zwar privat nicht machen, die mein Mann beruflich aber regelmässig unternimmt. Fleisch essen wir selten, ja, mit den zwei Kindern aber immer mehr. Natürlich bewusst, trotzdem, ein Tier musste sterben, Ressourcen wurden verschwendet. Und die Spielsachen sind auch nicht alle aus der Brocki. Denn wer wollte den Kindern – und Grosseltern – schon Geburtstags- und Weihnachtsgeschenke verbieten?

Sie sehen, ich relativiere.

Bei mir klaffen Wunsch und Wirklichkeit weit auseinander.

Dringlich ist das erst mit der Familie geworden. Denn als kinderloser Stadtmensch war es relativ leicht, ein ökologisches Leben zu führen. Zudem war man umgeben von Gleichgesinnten. Doch nun? All die Windeln (Abfall), all die nicht aufgegessenen Teller (Foodwaste), all die Spielzeuge, die sich im Kinderzimmer stapeln (Konsum, Konsum, Konsum).

Als kinderloser Stadtmensch war es relativ leicht, ein ökologisches Leben zu führen.

Natürlich, ich bin niemandem Rechenschaft schuldig. Und trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich mich ungefragt bei meinem standhaften städtischen Freundeskreis entschuldige. Denn ich weiss: Mit etwas mehr Aufwand wäre auch noch etwas mehr Ökologie möglich. Doch dazu fehlt mir die Kraft. Und die Zeit. Und im Endeffekt auch der Wille.

Wie geht es euch? Lebt ihr mit Kindern gleich ökologisch wie vorher?

* Marina Bolzli ist Kulturjournalistin bei der «Berner Zeitung». Aufgewachsen im Emmental, kehrte sie nach 12 Jahren in der Stadt aufs Land zurück mit dem ehrgeizigen Ziel, ihr Gemüse selbst anzubauen. Hier hat sie die Wahrheit über das ach so romantische Landleben geschrieben.
** Karin Hänni betreibt das Büro für visualisierte Ästhetik Eckraum.

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17. März 2018
Sarah
Geht uns genau gleich! Foodwaste wurde weniger, da wir mehr zu hause kochen, aber beim rest stimme ich mit dir überein.